Büchlein ohne Folgen
Im Landkreis Miesbach soll ein neues Handbuch zur Jagd die Wogen glätten – doch ausgerechnet beim heikelsten Punkt, der Winter-Wildfütterung, bleibt vieles unverbindlich. Warum das alte Fütterungskonzept plötzlich keine Rolle mehr spielt und warum mehrere Beteiligte die Unterschrift verweigern.
Von: Julia Jäckel | Veröffentlicht am 21. Dezember 2025

Am Montag wurde im Landratsamt Miesbach das Handbuch Jagd vorgestellt. Landrat Olaf von Löwis bezeichnet das Werk als „Empfehlung“ und als „dynamischen Prozess“. Habe man sich vom Landkreis Garmisch-Partenkirchen abgeschaut, um die Wogen zu glätten.
Ist doch das Thema Jagd für viele so heikel wie eine „Diskussion über den Nahost-Konflikt“, so ein Jäger, der lieber anonym bleiben will.
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Wo es besonders heiß wird? Beim Thema Wildfütterung. Das ist mit ein Grund, warum sich fünf Leute aus dem Arbeitskreis entschlossen haben, das Handbuch erstmal nicht zu unterzeichnen. Darunter: Die Tierschützerin Johanna Ecker-Schotte, Gemeinderat, Gastronom und Jäger Franz Josef Maier und Bernhard Greinsberger, Leiter der Hochwild‑Hegegemeinschaft im südlichen Landkreis Miesbach.
„Das Buch ist schon in Ordnung“, so Greinsberger, „aber einige Punkte sollten verbindlich geklärt werden“. Etwa das Thema Wildfütterung. Das sieht auch Maier so, „Das hätte man verbindlich gestalten müssen, so lässt das alle Fragen offen.“
Erst im vergangenen Jahr hatte die Einstellung von drei Fütterungen im Gebiet der Jagdgenossenschaft Rottach-Egern zu heftigen Streit geführt.
Die Jagdvorsteher argumentieren, dass man nur bei Frost oder Tiefschnee füttern müsste, als in „Notzeiten“. Wildbiologin Christine Miller sieht das anders,
„Notzeit ist nicht nur meterhoher Schnee, sondern bezieht sich auf die vegetationsarme Zeit. In der Winterzeit gibt es nur Knopsen und Rinden.“
Ohne zusätzliche Äsung suchen die Tiere ihre Kalorien genau dort, wo sie noch rankommen: an jungen Bäumen. Denn Gras, das zum Hauptlebensmittel des Rotwilds zählt, gibt es auch in milden Wintern nicht. Stattdessen werden Triebe abgeknipst, Knospen verbissen, Rinde geschält – und aus einer milden Witterung wird für den Wald trotzdem schnell ein Problem.
„Unser Rotwild war nur Sommergast in den Bergen und konnte im Winter Wild in die Auwälder wandern“, so die Wildbiologin weiter. Das Wild lebt im Tegernseer Tal auch im Winter in seinem Sommerlebensraum, „deshalb müssen wir es dort unterstützen.
Fütterungskonzept plus Handbuch
Sie empört vor allem, dass dadurch das Fütterungskonzept des Landkreises Miesbachs „über den Haufen geworfen wurde“.
Das wiederum wird am Montag nicht erwähnt. Das Fütterungskonzept wurde vor etwa drei Jahren angegangen, um das Dauerthema „Wildfütterung“ in den Griff zu kriegen. Auch hier handelt es sich „nur“ um Leitlinien. Die kann man aber durchaus als operative Gebrauchsanweisung lesen. “Jeder Revierinhaber ist verpflichtet, in der Notzeit für angemessene Wildfütterung zu
sorgen und die dazu nötigen Fütterungsanlagen zu unterhalten (Art. 43 Abs. 3 BayJG).“
Zitiert wird da aus einem Gesetz, nämlich dem Bayerischen Jagdgesetz. Damit könnten Fütterungskonzept und Handbuch gut Hand in Hand gehen. Doch im neuen Handbuch steht zur Fütterung nur: “Bei Rotwild kann die Winterfütterung (Notzeit) in den Wintermonaten (Ende November) zur Wildschadensminimierung eingesetzt werden. Das kann auch bei Rehwild in der Notzeit in Ausnahmefällen erfolgen.“
„Leid kemman zamm“ – aber einer muss auch handeln
Entstanden ist das Handbuch Jagd auch diese Papier aus einem vom Landrat initiierten „Runden Tisch Jagd“ mit Land- und Waldwirtschaft, Jagd, Tier-/Naturschutz, Tourismus sowie den zuständigen Behörden (u. a. AELF, Untere Jagdbehörde, Untere Naturschutzbehörde). Eigentlich eine gute Sache. Oder? „Ich hätte mir gewünscht, dass man sich an einen runden Tisch setzt und eine goldene Mitte findet, nach der man handeln kann“, so Franz Josef Maier.