Derblecken auf Tegernseer Art
Starkbierzeit im Tegernseer Tal: Beim traditionellen Derblecken im Bräu nimmt Fastenprediger Florian „Flickä“ Oberlechner die Lokalpolitik ins Visier – von Landschaftsschutz bis Osterparty. Wer an diesem Abend sein Fett abbekam.
Von Claudius Rafflenbeul-Schaub | Veröffentlicht am 20. März im Newsletter

Im Tegernseer Tal eröffnet traditionell die Wirtsfamilie Köck im Gasthof am Gasteig die Starkbierzeit – mit dem Kreuther Fastenprediger Florian „Flickä“ Oberlechner und anschließendem Singspiel.
Eine Woche nach der Kommunalwahl legte Oberlechner, nach der Begrüßung der 220 Gäste im ausverkauften Festsaal durch Peter Stillner, den Schwiegersohn der Wirtsleute, den Schwerpunkt seiner Rede auch heuer wieder auf die örtliche Lokalpolitik der fünf Talgemeinden und Waakirchen.
„Heute ist der Eintritt günstiger als beim Ludwig-Erhard-Gipfel“, spottete Flickä. Ihm sei das zahlende Publikum, das für den Vorverkauf der begehrten Eintrittskarten ansteht, noch lieber als die geladenen Honoratioren aus dem Gemeinderat. Unter den Gästen am Samstagabend waren unter anderem Altbürgermeister Georg von Preysing und der Landrat a.D. Beppo Rzehak.
Stand-Up-Talent Marinus Thurnhuber
In seiner kurzweiligen Fastenpredigt ließ er zuerst die Podiumsdiskussion der Landratskandidaten in Miesbach Revue passieren. Dabei attestierte er Marinus Thurnhuber von der Bayernpartei, dass dieser lustiger sei als die Humoristen aus dem BR.
Angela Falkenhahn von der SPD titulierte er als „menschgewordene Frauenquote“, und den Freie-Wähler-Kandidaten Jens Zangenfeind („lieba an Hund haben in Hausham, ois a Haus ham in Hundham“) assoziierte er mit alkoholfreiem Radler.
Dem durch den Landkreis wandernden Grünen Thomas Tomaschek empfahl er ein Fahrrad – dann werde das vielleicht eher etwas mit dem „Landrad“. Er vermutete, dass Franz Schnitzenbaumer von der CSU überproportional von den Schlierseer gewählt wurde, damit sie endlich einen neuen Bürgermeister kriegen.
LSG oder LSD?
Beim Aufregerthema Landschaftsschutzgebiete („LSG wie LSD“) hat wahrscheinlich ein Praktikant im Landratsamt beim Digitalisieren der alten Karten aus Versehen den Scanner mit dem Aktenvernichter verwechselt. Sein Vorschlag dazu wäre „Einheimischen-Schutzgebiete“, wo boarisch Amtssprache ist.
Im doppelten Kanzlerdorf Gmund protestiert die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal gegen das geplante Denkmal vom „Merz Fritze“, sodass man den Volksfestplatz in „Merzwiesen“ umbenennen müsse. Beim Käfer auf Kaltenbrunn bekomme man beim Festival vom Hafner Beni hingegen weder ein Bierle in der langen Schlange am Bierstand, noch Sun.
Wilder Osten und Asphaltwüsten
Bei der Stadt Tegernsee merkt man, dass diese im Osten des Sees ist, weil dort inzwischen die AfD in den Stadtrat eingezogen ist. Die MS Bad Wiessee kann dort hingegen nicht absaufen, weil die Bucht am Schweighofufer verschlammt ist.
In Rottach streifte er den Rathausneubau, mit viel zu kleinem Balkon, die Bürgermeisterwahl, die Posse um die Wildtierfütterung, das Halligalli um die Technoparty auf dem Wallberg Panorama Restaurant, sowie die Faschingsabrissparty der freiwilligen „Feierwehr“.
In Kreuth galten seine Aufreger dem Brückenneubau und der (unnötigen) Asphaltierung des Radwegs durch die Weißachau nach Glashütte.
In Wiessee würdigte er den Erfolg des Kommunalunternehmens für den Wohnungsbau und die neue Rolle des wiedergewählten „Einfach Robert“. Gleichzeitig geißelte er die „hinterm Lattenzaun“-Architektur der Ortsmitte und die riesigen Dachbauten auf der Seegut-Baustelle.
Unchristliches Fischer-Ostern
Außerdem mokierte sich Flickä über das (un)christliche Osterfest von CSU Gemeinderat Christoph von Preysing. Bei 400,- Euro für eine Tischreservierung hätte Jesus seine Auferstehung wohl lieber bleiben lassen.
Zudem wunderte er sich, dass Markus Söders Staatsregierung im Bundesrat das „begleitete Trinken“ von Minderjährigen in Deutschland abschaffen will.
Nach gut eineinhalb Stunden Fastenritt durch alle Talkommunen rundete ein kurzes Singspiel mit den Göttern aus der Sagenwelt der nordischen Mythologie den gelungenen Abend ab. Die archaische Darbietung erreichte stellenweise Nockherberg-Niveau. Aber eben nur stellenweise.