Kalter Keller, klare Kante: DGB-Podium mit frierenden Landratskandidaten
Quiz statt Podium: Im Haindlkeller mussten die Landratskandidaten auf die richtige Matte hupfen. Überraschende Gewinner, klare rote Linien – und eine Debatte zwischen Windradl und Wasserkraft.
Von: Julia Jäckel | Veröffentlicht am 03. März 2026 | Zuerst im Newsletter erschienen am 27.02.2026

Die erste Überraschung? Marinus Thurnhuber und sein Kollege von der Bayernpartei machen sich wirklich sehr gut im besprühten Kellergewölbe des Haindlkellers in Miesbach. Die Zweite? Benedikt Maier (die LINKE) geht als Sieger hervor. Auf dem zweiten Platz folgt ihm Angela Falkenhahn (SPD).
Statt klassischer Podiumsrunde schickte Matthias Bär, Jusos Vorsitzender für Oberbayern und stellv. Vorsitzender der SPD Holzkirchen, seine Gäste zurück in die 70er Jahre. 1, 2 oder 3? Leider ohne Schanze-Plopp-heißt-Stopp-Imitat.
Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht
Faire Löhne,Mietpreisentwicklung, Klimagerechtigkeit und Arbeitsrechte; dazu gab es Fragen zu denen die Landratskandidaten auf die richtige Matte hupfen durften. Jede Runde wurden drei Antwortmöglichkeiten per Beamer gezeigt. Danach gab es eine Schnell-Raterunde. Unter dem strengen Blick des Moderators mit Pferdeschwanz und antifaschistischer Herzensbildung waren alle mit Spaß und Ernst bei der Sache.
Beim Thema Tarifbindung wurde schnell klar: Alle sind auf die eine oder andere Art dafür.
Aber die Spielräume sind begrenzt. So argumentiert Franz Schnitzenbaumer (CSU): „Ausschreibungen sind leider im Regelfall so gestaltet, dass immer der Bestbieter das kriegt.“ Ergänzt aber, dass er die Tarifbindung wichtig findet.
Etwas genauer wird Jens Zangenfeind, der klar macht, dass „die Kunst des Vergaberechts ist es, richtig auszuschreiben“ und betont, dass bei ihm Arbeiten für die Gemeinde gut bezahlt werden würden. Angela Falkenhahn (SPD) ist an diesem Abend sehr gelöst und weit überzeugender als im trüben Theaterlicht des Waitzinger Kellers vor ein paar Wochen.
Zur Tarifpolitik sagt sie: „Natürlich. Das ist in meiner DNA, das geht gar nicht anders.“Besonders gut beobachtet wird Benedikt Maier. Der musste sich vom Publikum im Waitzinger Keller ein wenig Spott anhören, weil er noch auf Hochzeitsreise in Neuseeland unterwegs war.
Eine Reise, die er noch vor Parteieintritt und damit vor der Landratskandidatur geplant hatte.„Wir müssen erstmal die Gewerkschaften auf die Beine stellen, dass wir im ländlichen Raum auch die kleinen Betriebe in die Tarifbindung bekommen“, so der Mann mit Bart im roten Markenzeichen-Pullover.
Er regt an, dass man auch über kleinere Windkraft oder „Kleinanlagen, die auf einem Hausdach stehen“ nachdenken kann. Zangenfeind ist von der Wasserkraft überzeugt. Holt sich damit aber ein Veto von Schnitzenbaumer ab. Der sieht das als einen ziemlichen Eingriff in Berg und Natur.
Tomaschek fragt seine Gäste, wenn er als Heimatführer unterwegs ist. Wie würden die das finden, wenn in der Tegernseer Landschaft „ein Windradl“ stehen würde?“Sie sagen alle, eines könnte man schon vertragen, das muss ja nicht am Wallbergkreuz oben stehen. Dann sieht man, dass ihr einen Beitrag leistet.“
Demokratie – klare rote Linien
Auf die Frage, wie man denn mit der AfD umgehe, haben die Kandidaten alle eine klare Haltung. „Da gibt es überhaupt keine Zusammenarbeit. Auf überhaupt keiner Ebene“, so Falkenhahn. Besonders deutlich formuliert es Schnitzenbaumer an diesem Abend:„Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Demokratiefeindlichkeit – das ist die rote Linie.“
Habt ihr keine Heizung? Dass es alle friert, ist der Running-Gag der Spielrunden. Bär fragt die Kandidaten, ob sie denn den Keller und die Jugendlichen entsprechend unterstützen würden? Auch im Nachbarschaftsstreit? Da sind sich alle einig.
Somit gilt: Egal, wer Landrat wird. Um eine Heizung und Dämmung für den Haindlkeller kommt die Person nicht herum.