Drei Fragen an Benedikt Maier – Landratsabgeordneter der Linken für den Landkreis Miesbach
Der jüngste Landratskandidat (35) will den Landkreis radikal zukunftsfähig machen: mit Klima-Resilienz, kommunalem Mietendeckel und klaren Worten zu Tourismus, Rechtsruck und Höfesterben.
Von: Redaktion | Veröffentlicht am 23. Februar 2026

Was unterscheidet Dich inhaltlich wirklich von den anderen Kandidaten?
Abgesehen davon, dass ich der Jüngste bin (Benedikt ist 35, Anmerkung der Redaktion), komme ich nicht aus der klassischen Politik. Ich bin Künstler, Handwerker – meine Bubble ist handwerklich geprägt. Ich kriege die Schmerzen meiner Leute direkt mit. Und ich bin seit Jahrzehnten Klimaaktivist. Das brennt mir unter den Nägeln.
Der Landkreis ist eigentlich gut aufgestellt, aber wir müssen ihn resilient machen – vor Hochwasser und anderen Folgen des Klimawandels. Wir müssen anders bauen, zum Beispiel Stelzenbau statt Keller in gefährdeten Gebieten, damit nicht bei jedem Hochwasser Farben, Lacke oder Öle ins Trinkwasser gespült werden.
Ich habe da eine klare Expertise. Bei den anderen höre ich bisher wenig Konkretes, wie tiefgreifend wir wirklich zukunftsfähig werden wollen.
Wenn Du morgen Landrat wären – was würdest Du als Erstes angehen?
Das Erste wäre ein kommunaler Mietendeckel. Ich würde mit allen Bürgermeistern zusammensitzen und schauen, wie wir das im Landkreis umsetzen können.
Freunde von mir mussten wegziehen, weil sie hier nichts Bezahlbares finden. Das ist eine Frechheit. Ich wohne selbst noch daheim, weil ich es mir sonst kaum leisten könnte. Klar, irgendwie geht’s – aber dann bleibt nichts mehr übrig: kein Urlaub, kein Bio-Einkauf.
Da wäre vielen Menschen sofort geholfen.
Welche unbequeme Wahrheit im Landkreis spricht Ihrer Meinung nach niemand offen an?
Der Tourismus. Er ist wichtig, bringt vielen etwas – aber wir blenden die Kehrseite aus. Am Wochenende sind die Straßen dicht, Einheimische ziehen sich an Flüsse zurück, weil man am See keinen Platz mehr findet
Das sorgt für Frust. Und dann heißt es schnell ‚die scheiß Preußen‘ – dabei wollen die Leute einfach nur Urlaub machen. Wir brauchen mehr Gemeinschaftsflächen und müssen den Verkehr anders regeln.
Und eine zweite unbequeme Wahrheit: Auch hier im Oberland wirken rechte und rechtsextreme Kräfte. Da braucht es Aufklärung.
Und drittens: Unsere kleinbäuerlichen Strukturen stehen unter Druck. Durch Erbschaftssteuer müssen Höfe verkauft werden, die seit Generationen bestehen. Das ist eine Schande. Wir sollten Qualität vor Quantität fördern und bäuerliche Betriebe erhalten.