Drei Fragen an den Tourismus-Chef

Weniger Wachstum, mehr Qualität? Der Tourismus am Tegernsee soll sich künftig nicht mehr allein an Übernachtungszahlen messen lassen. Stattdessen geht es um Wertschöpfung, Akzeptanz und Besucherlenkung. Doch wie konkret sehen diese Pläne aus – und wer trägt am Ende die Verantwortung? Wir haben beim Tourismuschef für das Tegernseer Tal, Christian Kausch, nachgefragt.

Von: Redaktion| Veröffentlicht am 02. Juli 2026

Christian Kausch vor dem Wallberg. Foto: TTT


Sie betonen, dass es künftig nicht um Wachstum um jeden Preis gehen soll. Woran messen Sie konkret den Erfolg dieser Strategie – jenseits klassischer Kennzahlen wie Übernachtungen?

Der Erfolg misst sich für uns schon länger nicht mehr an der bloßen Anzahl der Gästeankünfte oder Übernachtungen. Entscheidend ist die Wertschöpfung pro Gast, die direkt der regionalen Wirtschaft, dem Handel und der Gastronomie zugutekommt.

Ein weiterer zentraler Gradmesser ist die touristische Akzeptanz vor Ort. Tourismus ist nur dann erfolgreich, wenn er im Einklang mit der einheimischen Bevölkerung funktioniert. Wir setzen zudem auf die gezielte Entwicklung von Angeboten, die unsere Gäste dazu animieren, länger zu verweilen, die Region mit dem durch die Gäste- oder TegernseeCard kostenlosen ÖPNV zu erkunden, das eigene Auto stehen zu lassen und die bestehende Infrastruktur der Region respektvoll zu nutzen.

Dazu zählen auch Aufmerksamkeits- und Informationskampagnen wie unser „Gemeinsam. Sicher. Respektvoll.“ oder die Unterstützung des Ranger-Programms mit denen wir bewusst auf den Naturschutz durch jeden Einzelnen hinweisen. Denn nur, wenn wir erhalten, was wir haben, können wir langfristig bestehen und auch für die Einheimischen die Attraktivität des Tals bewahren.


Mit Blick auf stark frequentierte Orte wie den Wallberg oder den See im Sommer: Welche konkreten Maßnahmen sind in den kommenden Jahren geplant, um Besucherströme tatsächlich zu lenken – und wer trägt dafür die operative Verantwortung?

Wir setzen verstärkt auf smarte Lösungen, beispielsweise durch Echtzeit-Auslastungsdaten von Verkehr, Parken und Attraktionen vor Ort (siehe Projekte der REO). Leistungspartner wie das TegernseePhantastisch oder auch der neu eröffnete Klettergarten am Wallberg runden dies durch eine automatisierte, dynamische Kontingentierung Ihrer Tickets ab, um Ströme bereits bei der Anreise zu entzerren.

Ein Schlüssel liegt in der Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und der Schaffung von Anreizen, auf das eigene Auto zu verzichten. Hier haben wir aktive Kooperationen wie mit der BRB und darüber hinaus taleigene Projekte wie etwa das Carsharing Modell eSeeShare. 

Die Besucherlenkung ist eine Gemeinschaftsaufgabe aus strategischen Konzepten, digitalen Tools und Kommunikation. Die operative Umsetzung vor Ort erfolgt hauptsächlich durch die Gemeinden und dedizierte Leistungspartner wie etwa die Bergbahn.

Bei Großveranstaltungen haben wir ein umfangreiches Besucherlenkungs- und Sicherheitskonzept, das fortwährend erweitert und an aktuelle Gegebenheiten angepasst wird. So werden beispielsweise zu den Seefesten dieses Jahr wieder Sonderzüge eingesetzt, der Besucherstrom durch die kostenlosen Schifffahrten entzerrt oder durch unsere LED Tafeln in Echtzeit gelenkt.


Nach den Diskussionen der vergangenen Monate: Was hat sich in der Abstimmung zwischen TTT und den Gemeinden konkret verändert – und wie wollen Sie langfristig Vertrauen und Transparenz stärken?


Das gute Verhältnis zwischen den Gemeinden und uns besteht weiterhin und hat sich nicht verändert. Wir werden die neuen Gemeinderäte mit allen Grundsatzinformationen zum Tourismus im Tegernseer Tal versorgen und wie gewohnt in alle Projekte regelmäßig und direkt einbeziehen. Wir nehmen die spezifischen Bedürfnisse jeder einzelnen Gemeinde ernst und versuchen gleichzeitig das Tal als Ganzes und die Kommunikation untereinander zu stärken.

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