Drei Fragen an Landrat Jens Zangenfeind (FWG)

Der Haushamer Bürgermeister Jens Zangenfeind hat es geschafft und konnte sich mit weitem Vorsprung gegen Gegenkandidaten Franz Schnitzenbaumer durchsetzen. Im Interview mit Tegernsee Weekly sprach er über seine Prioritäten für den Landkreis, seine Bilanz in Hausham und über die umstrittene Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Impfzentrum.

Von: Redaktion | Veröffentlicht am 6. März 2026 | Aktualisiert am 23. März 2026

Ganz links: Der Haushamer Bürgermeister bei der DGB-Podiumsdiskussion im Haindlkeller. Foto: Claudius Rafflenbeul-Schaub


TW: Was ist aus Ihrer Sicht die dringendste Aufgabe für den Landkreis in den kommenden sechs Jahren?

Wir gestalten ein Landratsamt der Zukunft, das bürgernah, modern und lösungsorientiert ist. Digitale Leistungen werden ausgeweitet; es besteht aber auch immer die Möglichkeit für ein persönliches Gespräch. Der Mensch muss dabei immer im Mittelpunkt stehen. Die Bürgerinnen und Bürger sind Kunden und keine Bittsteller. Verfahrensabläufe werden beschleunigt und die Kommunikation wird verbessert. Als Landrat möchte ich aktiv mitarbeiten und mich in die Verfahren einbringen, ich stehe immer für Gespräche zur Verfügung. Ich fordere von mir und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Leistungen ein, stehe aber auch immer hinter meinem Team.

Bezahlbarer Wohnraum und ÖPNV der Zukunft?

Wir müssen bezahlbaren Wohnraum schaffen. Unsere jungen Menschen sollen die Möglichkeit haben, bei uns zu leben und ihre Existenz zu gründen. Unsere jungen Menschen sind diejenigen, die sich in den Vereinen und Hilfsorganisationen ehrenamtlich engagieren und die das Herz unserer Gesellschaft ausmachen. Sie sind aber auch die Fachkräfte für unsere Wirtschaft, die dringend benötigt werden.

Wir müssen unserer Wirtschaft Rückenwind geben, damit weiterhin wohnortnahe Arbeits- und Ausbildungsplätze bestehen und damit wir die finanzielle Leistungsfähigkeit im Landkreis steigern.

Wir werden einen ÖPNV der Zukunft gestalten, der vor allem auch bedarfsorientierte Rufbussysteme ausweitet.

TW: Woran möchten Sie sich am Ende Ihrer Amtszeit konkret messen lassen?

Die Aufgaben, die wir zu erfüllen haben, sind umfangreich und anspruchsvoll. Aufgrund meines Alters kann ich Beständigkeit anbieten und hätte die realistische Möglichkeit, mehrere Amtszeiten das Amt des Landrats auszuüben.

In Hausham kann ich nachweisen, dass wir bezahlbaren Wohnraum geschaffen haben (Einheimischen-Projekt und Mietwohnungen), dass wir unsere Wirtschaft gestärkt haben (Neuansiedlung Firma Moralt, Firma Fendl, Modeschuh Herrmann…), dass wir die Infrastruktur verbessert haben (Bahnübergang, Kreisverkehr Agatharied), und dass wir uns für unsere Ortsgemeinschaft und Vereine eingesetzt haben (Sanierung des Gewerkschaftshauses mit einem Saal, in dem unsere Vereine die Möglichkeit haben, aufzutreten).

Ebenso haben wir ein neues Rathaus geschaffen, das barrierefrei ist, die Auszeichnung als digitales Amt erhielt und gleichzeitig jedem die Möglichkeit gibt, persönliche Gespräche zu führen. Digitale Leistungen können genutzt werden. Man wird aber auch am Eingang persönlich empfangen mit den Worten: „Grüß Gott, schön, dass Sie hier sind. Wie können wir Ihnen helfen?“

Genauso wie ich es mit meinem Team in der Gemeinde Hausham bewiesen habe, möchte ich im Landkreis Miesbach gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern etwas bewegen und die Zukunft gestalten. Nicht nur reden, sondern handeln und dies auch unter Beweis stellen. Das ist der Anspruch, den ich an mich habe.

(Community-inspirierte-Frage): Vor drei Jahren wurde im Gemeinderat die Nutzung des Impfzentrums in Hausham als Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete abgelehnt. Die Entscheidung wurde öffentlich kontrovers diskutiert, unter anderem mit dem Vorwurf mangelnder Abstimmung. Wie bewerten Sie die Situation heute? 

Ich habe damals die Einwendungen, Vorschläge und die konstruktive Kritik der Anlieger und meiner Bevölkerung ernst genommen. Dies ist auch unsere Aufgabe. Wir sind nicht der verlängerte Arm des Staates, sondern in erster Linie immer der verlängerte Arm unserer Bürgerinnen und Bürger. Das Landratsamt ist damals weder auf die Vorschläge der Anlieger, noch auf die Gemeinde eingegangen. Letztlich hat dann der Eigentümer entschieden, nicht mit dem Landratsamt, sondern mit einem Unternehmen einen Vertrag zu schließen.

Ich habe mich immer für dezentrale Unterbringungen eingesetzt und werde dies auch weiterhin tun.

Unsere Ehrenamtlichen müssen die Möglichkeit haben, Integrationsarbeit zu leisten. Wir haben auch damals nicht nur nein gesagt, sondern Alternativen geboten. Wir haben unter anderem als (nach meinem Kenntnisstand) damals einzige Gemeinde weitere fünf Wohnungen zur Verfügung gestellt.

Seit Beginn der Flüchtlingskrise, schon 2015 haben wir regelmäßig Flüchtlinge aufgenommen und waren dabei auch immer Vorreiter. Auch aktuell liegen wir im Schnitt und erfüllen unsere Aufgabe.

 Als Landrat würde ich weder taktieren, noch Projekte verheimlichen, sondern offen und ehrlich kommunizieren. Ich würde aber auch die Sorgen und Bedenken der Bevölkerung ernst nehmen. Die Bürgerinnen und Bürger können erwarten, dass wir ehrlich sind und uns zu 100 Prozent für die Menschen und den Landkreis einsetzen.

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