Drei Fragen an Tobi: Zweimal Schicksalsschlag, zweimal Kraft – Wie Tobi und Saskia weitermachen

Mit 26 Jahren hätte Tobi Hallinger sterben können. Bei einer Explosion in der Rettungswache Bad Wiessee erlitt er 2017 Verbrennungen dritten Grades – an beiden Händen und im Gesicht. Heute, sieben Jahre später, arbeitet er wieder im Rettungsdienst – und steht plötzlich auf der anderen Seite. Er und seine Familie brauchen Hilfe. Denn seine Frau Saskia wurde vor Kurzem mit aggressivem Brustkrebs diagnostiziert.

Von: Redaktion| Veröffentlicht am 29. Mai 2026

Großfamilie Hallinger mit Sohnemann aus erster Ehe und drei Zwetschgen. Foto: Hallinger

Du warst 2017 bei der Explosion in der Rettungswache dabei und bist von heute auf morgen selbst auf Hilfe angewiesen gewesen. Wie hat diese Erfahrung deine Arbeit im Rettungsdienst verändert?

Man hat eine andere Sichtweise, wenn man auf der anderen Seite gestanden ist. Das ist schwer zu erklären, aber man versteht viel anders und kann auch ganz anders auf Patienten eingehen.

Ich nehme mir jetzt viel mehr Zeit, auch wenn die Kollegen Stress haben, selbst wenn der Patient schwerstverletzt ist – ich erkläre dem Menschen noch eine Sekunde, was passiert. Man weiß ja, wie schnell man selbst im System ist, wo man nicht mehr rauskommt, wo man auf andere vertrauen muss, dass sie es richtig machen.

Das war die größte Veränderung: Ich nehme mir die Zeit für die Zwischenmenschlichkeit, für die psychologische Komponente. Weil man eben selbst weiß, wie sich das anfühlt.

Vor sieben Jahren hast Du selbst gekämpft. Jetzt kämpft Saskia. Wie unterscheidet sich diese Erfahrung – und wie hilft dir Deine damalige Erfahrung jetzt?

Das ist ein ganz schwieriges Thema. Ich fahre seit 30 Jahren im Rettungsdienst, ich habe Erfahrung, aber … man kann nicht sagen: ‚Okay, die Frau hat Krebs, wenn die Ärzte das schon machen, dann vertrau ich darauf.‘ Nein. Man analysiert jede Diagnose, jedes Papier, hinterfragt es, schaut in der Roten Liste nach, recherchiert im Internet – man tut viel zu viel.

Die Ärzte sagen: ‚Das ist alles handelbar, in einem Jahr lachen wir drüber.‘ Aber wenn man die Hintergründe durchliest und die Zusammenhänge versteht, dann kommt man zu dem Schluss: Ja, wahrscheinlich ist das so, aber … es ist schwierig.

Mit der Diagnose, die Saskia hat, ist das einfach zu groß. Der Mensch geht immer vom Schlimmsten aus. Aber wir sind beide Optimisten – wir haben schon so viel durchgemacht, so viel Scheiße erlebt, dass wir wissen: Man kann nur mit gesundem Optimismus hingehen und sagen: ‚Okay, das ist es, wie es ist. Machen wir das Beste draus.

Mit vier Kindern, Therapien, Fahrten nach München – wie versucht ihr, den Kindern Normalität zu geben? Und was hilft Euch gerade am meisten?

Ehrlich? Aktuell noch gar nicht. Die Diagnose ist jetzt drei Wochen alt, die erste Chemo ist gerade vorbei. Wir haben noch keine Normalität. Die Kinder waren vier Tage bei der Oma, die passt auf, aber sie hat auch noch ein Geschäft.

Ich plane irgendwann übers Wochenende mit den Kindern rauszukommen – eine Donaufahrt oder so. Aber aktuell ist das nicht zu sehen, weil es Saskia mit der Chemo nicht gut geht. Die Mittel, die sie kriegt, die nehmen sie ganz schön mit.

Was uns hilft: Sicherheit. Finanzielle Sicherheit. Wir haben keine großen Reserven – vom letzten Herbst bis jetzt waren es Reparaturen, immer was Verrücktes: Das eine Auto ist kaputt, das nächste ist auch glei im Eimer.

Wir beide haben ein Helfersyndrom – wir müssen fremden Menschen helfen, aber wir können selbst keine Hilfe annehmen. Das ist eine Katastrophe.

Jetzt öffentlich um Unterstützung zu bitten – das war ein großer Schritt. Aber jeder Cent, der reinkommt, gibt mir Freiheit: Ich muss nicht zwanghaft zu 100 Prozent im Rettungsdienst arbeiten, sondern vielleicht 50 Prozent, kann flexibel mit den Kindern sagen: ‚Heute geht es nicht‘, kann im Geschäft arbeiten. Das macht es einfacher. Und wir sind um jeden Cent absolut dankbar.“

Tobi Hallinger arbeitet im Rettungsdienst Bad Wiessee, ist stellvertretender Vorsitzender der DLRG Gmund und Einsatzleiter Wasserrettung für die Wasserwacht Gmund-Tegernsee – ein 24/7-Job. Mit seiner Frau Saskia baut er parallel einen Gartenbaubetrieb auf. Ihr wollt Tobi und seiner Familie helfen? Hier geht es zur Go-Fund-Me-Kampagne.


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