Windräder, Witze und wunde Punkte: Landrat sucht Wählerstimmen 


Um die 400 Leute wollen hören, was die sechs Landratskandidaten und die eine Kandidatin zu sagen haben. Darunter betagte Bürgerinnen und Bürger, Bürgermeister aus dem Tegernseer Tal, Fanclubs der Kandidaten und ein paar Junge.

Von: Julia Jäckel | Veröffentlicht am 02. Februar 2026

Nicht immer verständlich, aber durchaus mit Herz bei der Sache. V.r.n.l: Marinus Thurnhuber (Bayernpartei), Franz Schnitzenbaumer (CSU), Stephen Hank (CSU), Jens Zangenfeind (FWG).

Die Anwärter für das Amt des Landrats in Miesbach haben im Halbkreis auf den schmalen Stühlen auf der Theaterbühne Platz genommen.

Sieben Kandidaten sitzen auf der Theaterbühne: Thomas Tomaschek (Bündnis 90/die Grünen), Angela Falkenhahn (SPD), Jens Zangenfeind (FWG), Franz Schnitzenbaumer (CSU), Marinus Thrunhuber (Bayernpartei) und Martin Simon (AfD). Moderiert wird der Abend von Miesbacher-Merkur-Redaktionsleiter Stephen Hank.

Gebirge an Themen

Hank hat ein Gebirge an Themen dabei: Infrastruktur, Natur und Umwelt, Mobilität, Tourismus, Verwaltung und die Kommunen. .

Die Gäste erscheinen adrett im oberbayerischem Dresscode. Nur Falkenhahn hat zu elegantem Schwarz und SPD-Roten Turnschuhen gegriffen. Der AfD-Kandidat kommt in blauem Anzug.

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Gleich in der Vorstellungsrunde will Thomas Tomaschek etwas loswerden: „Wir haben hier sieben Personen auf dem Podium, aber nur sechs davon sind Demokraten“, erklärt der Grüne Landratskandidat und weiter: „Wir haben hier einen Herrn, der nicht die Werte unseres Grundgesetzes teilt und dessen Partei rechtsextrem ist. Ich finde, das muss man noch klar benennen.“

Das gibt Applaus und aus den hinteren Ecken des Theatersaals raunt es. Gut beäugt werden die Bewerber von der ehemalige Führungsriege. Noch-Landrat Olaf von Löwis mit Gattin hat aus der ersten Reihe alle gut im Blick. Primetime.

Unterschiede versus Gemeinsamkeiten

So richtig unterscheiden sich die demokratischen Bewerber auf den ersten Blick nicht, da herrscht fast Harmonie, bis auf die Dauerbrenner Landschaftsschutzgebiet, investieren versus Sparzwang oder der Umgang mit Windrädern. Man kennt sich teils aus dem Kreistag, der ist den Gemeinden übergeordnet und beschließt zum Beispiel den Haushalt. 

Um den muss es heute auch gehen. Weil der hat sich zwar von einer massiven Schuldenlandschaft (2014/2015: 100 Mio) Richtung Schuldenberg (57 Mio.) entwickelt. Aus den Vollen schöpfen kann keiner der nächsten Landräte in der nächsten Legislaturperiode.

Die Zahlen sind unter anderem deswegen kleiner geworden, weil das Krankenhaus Agatharied auf dem Weg der Besserung ist. Waren das Defizit 2021 bei 12,5 Mio., ist es jetzt auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag geschrumpft.

Als der AfD-Kandidat schildert, wie er sparen würden, etwa indem er Geflüchtete zurückschickt und Stellen im Landratsamt streicht, schreit jemand aus der zweiten Reihe:

„Du Faschist“

„Nur die Ruhe“, mahnt Hank und macht eine beschwichtigende Geste mit beiden Händen, „sonst müssen wir sie wirklich aus dem Saal bringen lassen.“ 

Zurück in die kommunalpolitische Wirklichkeit

Dann bemüht er sich den AfD-Kandidaten in die kommunalpolitische Wirklichkeit zurückzuholen. Der verbreitet jetzt, dass der Haushalt des Landkreises intransparent ist. Schnitzenbaumer interveniert und setzt zu einer kleinen Haushaltslektion an: „Der Landkreis kann seinen Haushalt nicht frei steuern – der größte Teil der Ausgaben ist gesetzlich vorgegeben.“

Fazit: „Wenn Oberbayern weniger Einnahmen hat, dann holt sie sich die von allen anderen Landkreisen – wir sind eben Teil der kommunalen Familie“, erklärt das der CSU-Landratskandidat.

Streitpunkt Landschaftsschutzverodnung

Wie man mit Natur und Umwelt umgehen soll, ist ein weiterer Streitpunkt. Uneinigkeit herrscht vor allem bei der Verordnung dazu: Die könnte der Kreistag noch in dieser Legislaturperiode verabschieden. Gerade war die zweite öffentliche Auslegung.

Tomaschek sieht darin eine „Erfolgsgeschichte“ und dass es eigentlich um  „Heimatschutz“ gehe und erklärt: „Seit 70 Jahren gibt es diese Landschaftsschutzgebiete und kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, diese Gebiete abzuschaffen.“ 

Rückendeckung bekommt Tomaschek von Falkenhahn und Schnitzenbaumer. Der ist davon überzeugt, dass das „ein gutes Instrument ist“ und „Kulturlandschaft ist keine Wildnis, sondern dass ist das was die Landwirte über 100 Jahre mit ihrer Arbeit geschaffen haben.“

Favorit Zangenfeind hingegen ist „kein Freund von Zeitdruck“ und mahnt, dass es erneut „hunderte von Einwendungen“ gibt, die man beantworten müsse. Dass viele dieser Einwände standarisiert eingereicht wurden, sagt er nicht.

Thurnhuber nuschelt etwas über „Das ist ein Landschaftsmonopol“.

Viel Wind um Nichts

Beim Thema Windkraft zeigte sich überraschend viel Pragmatismus. Einigkeit bestand darin, dass Windräder dort Akzeptanz finden, wo sie sinnvoll platziert sind und Bürger finanziell profitieren – wie im Beispiel Otterfing. Für den touristischen Süden des Landkreises sehen die meisten Kandidaten dagegen eher Solar- und Wasserkraft als realistische Optionen.

Hank blickt nach der ersten Stunde auf die Uhr, er hat einige der Moderationskarten zurückgestellt. „Sonst sitzen wir hier noch bis 12 Uhr abends“. Schnitzenbaumer kontert mit „Ich habe Zeit“. 

Fazit

Besonders glänzen die Kandidaten Schnitzenbaumer und Tomaschek, weil sie auf politische Phrasen weitgehend verzichten und ihre Positionen mit konkreten Beispielen untermauern.

Zangenfeind hingegen betont, er wolle „Politik für die Menschen machen und mit den Menschen“ – bleibt dabei aber vage.

Auch Falkenhahn bleibt in ihren Ausführungen eher an der Oberfläche, obgleich sie Themen anspricht, die sonst kaum zur Sprache kommen, etwa den Bedarf an Schutzräumen für Frauen.