Schmeckt mit den Füßen
Ein Schmetterling, der sanft über die Haut läuft, ist kein Zufall: Falter schmecken mit den Füßen – und wittern ihre Partner über Kilometer hinweg. Hinter der zarten Begegnung verbirgt sich ein erstaunliches Leben zwischen Verwandlung, kurzer Existenz und wachsender Bedrohung.
Von: Yvonne Aschoff | Veröffentlicht am 8. April |

Habt ihr mal das tastende Kitzeln erlebt, wenn ein Schmetterling auf eurem nackten Arm rumläuft? Er hat geprüft, ob man da was essen kann …
Hinter dem zarten Flügelschlag eines Schmetterlings verbirgt sich nämlich ein biologisches Meisterwerk mit faszinierend spezialisierten Sinnen: Falter schmecken mit den Füßen, um die Eignung einer Pflanze als Nektarquelle zu prüfen und riechen mit ihren hochempfindlichen Antennen-Fühlern potentielle Partner über Kilometer hinweg (Mon Dieu!, stellt euch mal bitte vor, das wäre bei uns Menschen so.).
Allein das Werden eines Falters ist im Grunde unvorstellbar: Ein winziges Ei entwickelt sich zur nimmersatten Raupe – soweit noch nicht jaw-dropping –, aber dann wird es schon faszinierend: Sattgefutterte, dicke Raupe spinnt sich selbst in ein enges Kokongefängnis, in dem eine unfassbare Verwandlung geschieht: Der Körper des einstigen Moppels löst sich fast vollständig auf und verformt sich auf magische Weise zu einem der zauberhaftesten und filigransten Geschöpfe, die es auf dieser Erde gibt.
Irre! Würden manche von uns für so eine Transformation glatt auch über sich ergehen lassen. Aber dann wiederum: Was für ein Aufwand;– speziell, wenn man nach der ganzen Anstrengung nur wenige Tage zu leben hat, wie etwa der Gute-Laune-Macher unter den Schmetterlingen, der Zitronenfalter.
Global gesehen ist die Familie der Schmetterlinge stattlich: Rund 160.000 Arten bevölkern die Erde. In ganz Deutschland zählen wir immerhin etwa 3.700 Arten – wovon wiederum nur etwa 190 klassische Tagfalter sind.
In Oberbayern begegnen wir noch häufig dem Tagpfauenauge, dem Kleinen Fuchs und in den feuchten Uferzonen des Tegernsees oder entlang der Weissach lässt sich mit etwas Glück auch noch der Aurorafalter erblicken, der die feuchten Wiesen liebt. Auch der Landkärtchen-Falter fühlt sich in der Nähe von Gewässern und Waldrändern besonders wohl.
Im Großen und Ganzen hängt das Leben eines jeden Falters jedoch wieder von uns Menschen ab. Denn während Schmetterlinge auf natürliche Art durch Erschöpfung, Kälte oder Fressfeinde sterben, sind die größte Gefahr für ihr Überleben: Wir! Sorry to break the news again.
Monokulturen und der Verlust von Wildblumenwiesen entziehen ihnen die Lebensgrundlage. Besonders spezialisierte Arten, die auf ganz bestimmte Futterpflanzen angewiesen sind, verschwinden leise und für immer aus unserer Welt. Auch unser verschiefter Sinn für Ästhetik mit akkurat getrimmten Rasenflächen, auf denen man Billard spielen kann, macht ihnen das Leben schwer bis unmöglich. Ganz zu schweigen von den inzwischen recht toten landwirtschaftlich genutzen Futterwiesen.
Pünktlich zur Gartensaison deshalb das Plädoyer: Schafft in den Gärten wieder mehr Natur und die Mähroboter am besten ab. Lasst unsere Insekten nicht auf einer Verkehrsinsel mehr Nahrung finden (und dann ins Auto fliegen), als in geschützten Gärten. Ein bisschen weniger Perfektion schenkt auch uns am Ende so viel mehr: einen Lebens-Raum, wo bunte Flügel eine kleine Idylle betanzen. Und glaubt mir: Das zu beobachten, macht wirklich glücklich.