Um den Tegernsee bald nur noch einspurig? Aprilscherz sorgt für Kommentare

Als Aprilscherz gedacht, als Debatte angekommen: Die Vision eines einspurigen Tegernsees hat gezeigt, wie groß der Wunsch nach Veränderung ist – und wie schwierig echte Lösungen bleiben.

Von Redaktion | Veröffentlicht am 3. April im Newsletter

Es handelt sich um ein KI-generiertes Bild, das wir für einen Aprilscherz aufbereitet haben.

Einspurig rund um den Tegernsee, dazu eine Straßenbahn und breite Radwege – unser Aprilscherz war durchaus auch als Gedankenexperiment gedacht. Und ja: Wer genauer hinschaute, merkte schnell: Das KI-Bild hält der Topografie des Tals nur begrenzt stand.

Die Reaktionen darauf waren eindeutig. Zwischen Zustimmung, Skepsis und futuristischen Ideen war alles dabei. Das zeigt, wie aufgeladen das Thema Mobilität mittlerweile im Tal ist.

„Bin absolut dafür“, schrieb eine Leserin begeistert. Andere sind besorgt: „Würde das bedeuten, wenn ich von Tegernsee nach Rottach-Egern fahren will, muss ich über Gmund und Bad Wiessee dreiviertel des Sees umrunden?“

Und dann gab es Vorschläge, die irgendwo zwischen Vision und Übertreibung lagen: eine Autofähre über den See? Personendrohnen ab Gmund? Eine Magnetschwebebahn? Sogar eine U-Bahn wurde vorgeschlagen.

Die Reaktionen deuten darauf hin, dass viele Leserinnen und Leser sich Veränderungen wünschen.

Diskussionen darüber, wie das Tegernseer Tal radlfreundlicher und besser an den öffentlichen Nahverkehr angebunden werden kann, ziehen sich seit vielen Jahren durch Stadt- und Gemeinderäte. Im Stadtrat Tegernsee wird seit Jahren um einen Radweg gestritten, dazu müsste aber entweder der Fußgängerweg kleiner oder viel Geld für einen seeseitigen Radweg in die Hand genommen werden.

In vielen Kommunen um den See freut man sich über die Auszeichnung einer radlfreundlichen Kommune. Trotzdem münden Radwege auf der Hauptstraße, wie etwa in Bad Wiessee oder im Ortseingangsbereich von Gmund. Sie bleiben damit vor allem Stückwerk. Ambitionierte Projekte, wie etwa ein rund sieben Kilometer langer Radweg von Gmund nach Hausham scheiterten jahrelang an Grundverhandlungen. Eigentlich müsste das Projekt dieses Jahr fertig sein. Geplant wird es seit 2018.

Es stehen aber auch Ideen und Verbesserungen im Raum: Zuvorderst das integrierte Mobilitätskonzept des Landkreises Miesbach, das ambitioniert von einem „zuverlässigen, flexiblen und klimafreundlichen“ Nahverkehr träumt.

Im Kern ist das Tegernseer Tal der Hotspot und der Belastungstest für jedes neue Verkehrssystem. Durchschnittlich fahren im Tegernseer Tal 15.000 Fahrzeuge täglich am Westufer und etwa 13.000 am Ostufer vorbei (Quelle: Mobilitätskonzept). Wichtig: Die Zahlen zeigen kein starkes Wachstum – sondern ein dauerhaft hohes Niveau. Anders gesagt: Seit Jahren bewegt sich die Belastung im Tegernseer Tal auf konstant hohem Niveau und genau das macht jede Entlastung so schwierig. Vor allem, wenn es bei weichen Maßnahmen bleibt wie On-Demand-Angebote, E-Busse oder eine bessere Vernetzung der Radwege.

Dabei gibt es durchaus Ideen: Die Schifffahrt auf dem Tegernsee könnte stärker als Teil des öffentlichen Verkehrs gedacht werden. Eben nicht nur als touristisches Angebot. Womöglich gar mit MVV-Anbindung? Und häppchenweise zeigen sich Verbesserungen: Mitte 2026 bekommt die Bayerische Seenschifffahrt ein neues Elektroschiff auf dem Tegernsee. Seit zwei Jahren kann man E-Sharing an fünf verschiedenen Standorten um den Tegernsee „eSeeShare“ nutzen. Die Expressbusse (Alpenbus) fahren seit Dezember einmal die Stunde und verbinden Murnau, Bad Tölz und Rosenheim. Immer mehr Ladestationen für E-Bikes und Service-Stellen fürs Radl finden sich rund um den Tegernsee.

Die Probleme sind seit Jahren bekannt, die Konzepte liegen auf dem Tisch. Am Tegernsee entscheidet sich nun, ob aus Häppchen tatsächlich Veränderungen werden – der Spielraum nach oben ist begrenzt.