5 überraschende Fakten über die Kommunalwahlen im Tegernseer Tal

Die Ergebnisse der Kommunalwahlen im Tegernseer Tal erzählen mehr als nur Prozentzahlen. Hinter den Zahlen zeigen sich politische Muster. Fünf Beobachtungen aus den Wahldaten. Zum Beispiel die, dass vor allem Grüne Frauen als Verliererinnen aus den Kommunalwahlen gehen.

Von: Redaktion | Veröffentlicht am 10. März 2026 | Aktualisiert am 16. März 2026

Über den Wolken und drunter. Foto: Martin Calsow

#1 – Die CSU bleibt der Fixstern der Talpolitik – noch

Die CSU bleibt in fast allen Gemeinden die stärkste Kraft. In Tegernsee und Bad Wiessee erreicht sie jeweils rund 43 Prozent der Stimmen. Auch in den anderen Orten des Tals gehört sie weiterhin zu den dominierenden Kräften. Aber ihre Rolle als politischer Fixstern der Talpolitik bekommt Konkurrenz. Denn die neuen und alten Bürgerlisten folgen ihr dicht auf den Fersen. Etwa der Wiesseer Block mit 24,8 Prozent der abgegebenen Stimmen. Der hat die SPD mit 21,6 Prozent in die Tasche gesteckt. Und auch in Tegernsee hat die FWG mit 26,9 Prozent ein solides Ergebnis eingefahren.

#2 – Freie Wähler und Bürgerlisten bleiben der zweite Machtblock

Die Gesetze außer Kraft gesetzt hat die Bürgerliste Blitz in Rottach-Egern. Sie ist nur noch drei Sitze hinter der CSU, die lange Zeit in Rottach-Egern Alleinherrscher war. Seit 2020 hat sich das geändert und neben der FWG sorgte Blitz für frischen Wind.

Waren es 2020 noch drei Sitze, sind es jetzt fünf Sitze: Und Stefan Niedermaier übernimmt das Zepter oder besser den Karton-Rathausschlüssel von Noch-Bürgermeister Christian Köck (CSU). Der hatte im vergangenen Jahr nach zwölf Jahren seinen Abschied aus dem Rathaus verkündet. Davor regierte 14-Jahre Franz Hafner von der FWG in Rottach-Egern. Jetzt also ein Blitz-Bürgermeister, der nebenbei mit über 10.000 Stimmen für die Freien Wähler in den Kreistag zieht.

#3 – Grüne Frauen verlieren

Trotz prominenter Listenplätze wurden Grüne Frauen nach hinten gewählt. Etwa in Gmund. Die Gemeinderätin Laura Wagner (Grüne) scheidet nach zwölf Jahren aus dem Gemeinderat aus. An ihr zieht Kollege Michael Huber (parteilos) vorbei, der von Listenplatz fünf auf drei kommt. Die Gemeinde war in der Vergangenheit Spitzenreiterin, was den Frauenanteil im Tegernseer Tal anging. Immerhin sechs Frauen waren hier vertreten. Jetzt sitzen bald nur noch fünf Frauen im Rat. Immerhin eine Häufel-Königin: Martina Etstaller (CSU) rauscht mit 2709 Stimmen an Franz Presying vorbei. Und ein junger Neuzuwachs: Katharina Filipski, eine junge Veranstaltungskauffrau und Mutter aus Gmund, zieht neu in den Gemeinderat ein.

In Bad Wiessee wächst der Frauenanteil von drei auf vier: Hier zieht u.a. die Schwiegertochter des Noch-Landrats Olaf von Löwis in den Gemeinderat ein: Christine von Löwis. Die beiden Grünen-Kandidatinnen Franziska Strohschneider und Daniela Fischer konnten sich indes nicht durchsetzen. Franziska Strohschneider (Listenplatz 3) verpasste um sieben Stimmen den Einzug in den Rat. Statt ihr zieht Thim Armin von Listenplatz 5 in den Gemeinderat.

Gabriele Schultes Jaskolla (FWG), dritte Bürgermeisterin in Rottach-Egern, kommt erstmals nach 18 Jahren nicht mehr in den Gemeinderat. Natalie Pfersdorf, die für die Grünen auf Listenplatz 2 an den Start ging, rutscht auf Platz vier. Sabine Tomaschek schrammt nur knapp an einem Mandat vorbei. Neu hinzu kommt die 32-jährige Katharina Aust von Blitz. Damit gehen insgesamt vier von 20 Sitzen an Kandidatinnen.

Mit dem Verlust von Christine Rauch-Roßmann (Bürgerliste) sind nur noch zwei von drei Frauen im Tegernseer Stadtrat: Carolin Machl (CSU) und Barbara Staudacher (Grüne). In Kreuth kommt mit Karin Hatzl (CSU) ein drittes Mandat hinzu. Mehr als 25 Prozent Frauenanteil erreicht keine Gemeinde bei den Kommunalwahlen 2026. Der Tegernseer Stadtrat bildet damit mit trüben 13 Prozent das Schlusslicht in Sachen Frauenanteil.

#4 – Die Internetseite ist verbesserungswürdig

Die OK.VOTE-Plattform der Akademie für Kommunalwissenschaften macht nur zeitweise Spaß. Hier kann man sich zwar alle Ergebnisse anschauen, nach Parteien, Stimmensiegern und auch nach Wahllokalen. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Gemeinden bleibt aber undankbar. Und so kämpft man dann mit einer Vielzahl an offener Tabs, die sich nebeneinander im Browserfenster drängen. Auch möchten wir anregen, dass es noch spannender wäre, gleichzeitig die Wahlergebnisse der letzten Kommunalwahlen 2020 zum Vergleich abrufen zu können.

#5 – Politisch tickt jede Gemeinde anders

Das Tegernseer Tal wirkt politisch geschlossen – tatsächlich besteht es aus mehreren sehr unterschiedlichen politischen Mikrokosmen. So ist Bad Wiessee mit dem SPD-Bürgermeister Robert Kühn die stärkste SPD-Gemeinde im Tal; mit immerhin vier Sitzen. In allen anderen Tal-Gemeinden kämpft die SPD mehr und mehr um Einzug und Überleben. Tegernsee steht unter Beobachtung, weil hier erstmals ein AfD-Kandidat zwischen den Stadträten Platz nimmt.

Rottach-Egern gilt ab sofort als experimentelles Neuland, weil mit der Bürgerliste Blitz eine lokale Kraft wächst, die inzwischen nur noch wenige Sitze hinter der CSU liegt und die kein klassisches Parteiprogramm erdet. Während also in Wiessee und Tegernsee noch traditionelle Parteistrukturen tragen, zeigt sich in Rottach-Egern eine neue Form der Lokalpolitik: stärker von Persönlichkeiten und Bürgerlisten geprägt. Die Wahlen zeigen auch, dass klassische Umwelt- und Klimathemen bei dieser Wahl offenbar weniger mobilisiert haben, als lokale Fragen der Ortsentwicklung und konkrete Kandidaten.