Brot der Giganten
Der Backofen der Gerüchteküche im Tegernseer Tal glüht bereits seit Juli. Nun ist es offiziell. Die Traditionsbäckerei Krupp zieht in die Seestraße; vorübergehend. Was zunächst wie ein unternehmerischer Schritt mit Weitblick und Blick auf den See klingt, ist ein haarscharfes Manöver.
Von: Julia Jäckel | Veröffentlicht am 14. November 2025

Seit 20 Jahren rührt, knetet und backt die Konditorei Krupp im Tegernseer Tal. Drei Filialen sind es mittlerweile rund um den See – in Rottach-Egern, Tegernsee und Bad Wiessee. Hier gehen Semmeln, Nougatbusserl und feinste Torten über den Ladentisch; im Sommer seit kurzem auch Eis.
Das Herz der Konditorei Krupp schlägt in der Leo-Slezak-Straße in Rottach-Egern. Doch Ende November ist hier Schluss.
Wer backt am besten im Tegernseer Tal?
- Meier Bäck (0%, 0 Stimmen)
- Konditorei Café Krupp (0%, 0 Stimmen)
- Bäckerei-Konditorei Kuhn (0%, 0 Stimmen)
- Bäckerei Tremmel (0%, 0 Stimmen)
- Bäckerei & Café Schinagl (0%, 0 Stimmen)
Wähler insgesamt: 0
Danny Krupp, Geschäftsführer und Bäckermeister, hat seinen Vertrag mit seinem Vermieter im Juli gekündigt. Der Grund: eine Mieterhöhung. Krupp spricht von mehr als einer Verdoppelung.
Die Giganten
Sein Vermieter ist ein erfolgreicher Unternehmer im Tegernseer Tal: Gerold. Neben dem handwerklichen Betrieb, der Bäder und Heizungen verkauft und einbaut, zählt das Immobiliengeschäft zu seinem Portfolio. Darunter Mietwohnungen, Ferienwohnungen und Häuser wie etwa der Bichlwirt in Kreuth.
Gerold ist ebenfalls ein Familienbetrieb – einer mit Macht im Tal. „Wir haben die Miete 20 Jahre nicht erhöht“, sagt Thomas Gerold. So haben sie einen Wintergarten gebaut und die Terrasse um 50 Quadratmeter vergrößert. Ein sechsstelliger Betrag ging in die Umbauarbeiten des Bäckereibetriebs, erklären Vater und Sohn, Stefan Gerold, beim Gesprächstermin. Jetzt hat man die Miete eben an den Index angepasst.
Hilf mit, guten Journalismus im Tal möglich zu machenAuch Krupp hat investiert: Platz geschaffen für den Eiswagen im Sommer, mehr Schokolade, optimierte Busserl-Produktion – rund 20 Prozent des Umsatzes entfallen auf die Schokos-Bussis.
Wer in Rottach-Egern zum Kaffeetrinken geht, gewinnt einen anderen Eindruck. Gleich am Eingang zu den Kaffeetischen sitzt eine fleißige Mitarbeiterin, die die goldverpackten Busserl händisch mit einem Aufkleber versorgt und die fertigen Schoko-Geschenke in Kisten packt. Ein Kaffeetisch geht dafür drauf.
Seit Juli sucht Krupp nach Alternativen. Darüber reden will er nicht. Erst wenn alles in trockenen Geschirrtüchern ist. Aber jetzt ist der Aushang da.
Pop-Up Café: Wir ziehen um
Die Plakate kleben am Fensterglas der Arcaden vom Bachmair am See. Ein freundlicher Herr, der vor der Tür aufräumt, gibt freudig Auskunft, dass die Räume schon fertig sind. Ende der ersten Dezemberwoche kann man dort mit Blick auf den See seine Torte genießen.
Doch wie lange, dazu gibt es keine verlässlichen Infos. Franz Herrmann, Sprecher der Bachmair-Familie bestätigt, dass der Traditionsbäcker hier einziehen wird. Wie lange das gehen wird? Da verweist er auf die Hirmer Group.
Krupp soll im Vorfeld viele Vermieter angehauen haben. So soll er seinen Backofen in den Räumlichkeiten des ehemaligen Restaurants La Casa unterbringen wollen. Das wiederum hat wohl bei einer heimischen Bäckerin gleich ums Eck für erhöhten Blutdruck gesorgt.
Die Konditorei Krupp genießt einen sehr guten Ruf. Vor allem für ihre Produkte. Für den warmen Zwetschgendatschi wurden hier im Sommer schon Mitarbeiterinnen aufgescheucht, bitte nochmal in der Backstube nachzufragen, wann denn jetzt endlich das Ding aus dem Ofen komme?
„wir backen noch richtig.“ schreibt Krupp in seiner Marketingkampagne. Der Hieb geht an den Nachfolger – ein Familienbetrieb, den manche im Tal als „Aufback-Imperium“ bezeichnen (Korrektur: 15. November 2025). Der zieht nämlich im März in die Leo-Slezak-Straße: Kuhn.
Korrekturhinweis: Die Passage zum Nachfolger wurde nach Rückmeldung der Familie Kuhn klarer formuliert.