Das war der Gipfel
Vergangene Woche fand der Ludwig-Erhard-Gipfel (LEG) der Weimer Media Group zum 13. Mal in Folge am Tegernsee statt. Was 2014 als kleine Veranstaltung mit 200 Personen im Seeforum in Rottach-Egern startete, ist inzwischen ein Großevent mit über 1.000 Gästen auf Gut Kaltenbrunn in Gmund.
Von: Von Claudius Rafflenbeul-Schaub| Veröffentlicht am 1. Mai 2026 im Newsletter

Spitzenpolitiker bleiben fern
Schon im letzten Jahr waren die Vorzeichen schwierig: Wegen der vorgezogenen Bundestagswahl und den Koalitionsverhandlungen der Schwarz-Roten Bundesregierung sagten Spitzenpolitiker wie die Parteivorsitzenden Friedrich Merz und Lars Klingbeil ab. Auch Wolfram Weimer selbst blieb dem von ihm mitgegründeten Gipfel fern — wegen seines neuen Regierungsamts als Staatsminister für Kultur und Medien (BKM).
Die ursprünglich von dem rechtslibertären und AfD-nahen Online-Medium Apollo News und dem ZDF angestoßenen Enthüllungen um die angebliche Käuflichkeit von anwesenden Regierungsmitgliedern und die Interessenkonflikte des Mitveranstalters Weimer hatten dazu geführt, dass Ministerpräsident Markus Söder sich, zur persönlichen Schadensbegrenzung, vom Gipfel distanzierte.
Er beendete auch die undurchsichtige Querfinanzierung des privatwirtschaftlichen Gipfels durch den Freistaat Bayern. In den vergangenen vier Jahren waren rund 640.000 Euro an die Weimer Media Group geflossen — über das Sponsoring der staatlichen Förderbank LfA und des bayerischen Digitalministeriums sowie über den Staatsempfang der Staatsregierung (der Bayerische Rundfunk berichtete).
Söder pfiff in diesem Jahr auch alle seine CSU-Minister aus Land und Bund zurück, nachdem zuvor bereits Vizekanzler Klingbeil, Kanzleramtschef Thorsten Frei und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ihre Teilnahme abgesagt hatten.
In diese Lücke stieß Landeswirtschaftsminister und Freie-Wähler-Parteichef Hubert Aiwanger freudig hinein. Immerhin nahmen auch noch einige namhafte CDU-Bundespolitiker aus der Merkel-Ära am ersten Tag des Wirtschaftsgipfels teil.
Darunter der frühere Kanzlerkandidat und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, die frühere Parteivorsitzende und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und der frühere Generalsekretär Peter Tauber. Als einziges aktuelles Regierungsmitglied, aus der zweiten Reihe, traute sich der parlamentarische Staatssekretär im Digitalministerium Philipp Amthor an den Tegernsee.
Attacke als Krisenstrategie
Christiane Goetz-Weimer warf den Kritikern des Wirtschaftsgipfels und „Mitbewerbern“ eine politische Kampagne und Diffamierung vor. Insbesondere die AfD versuche seit Jahren, einen Fuß in die Tür des Gipfels zu bekommen, so die Verlegerin in ihrer Eröffnungsrede am Dienstag.
Radikalen politischen Kräften, wie der AfD und auch der Linken, würde man auf dem LEG keine Bühne bieten. Zustimmung kam von Wolfram Hatz, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, der als Co-Veranstalter des Erhard-Gipfels äußerte, dass auch sein Verband keinen Dialog mit der AfD führen würde. Dafür ernteten die beiden den Applaus des Publikums und der Ton war gesetzt.
Die seit zwei Jahren dreitägige Veranstaltung war in diesem Jahr etwas schwächer besucht als im Vorjahr. Der Veranstalter sprach von 1.400 Teilnehmern und rund 130 Speakern. Bis einen Tag vor Beginn des Gipfels wurden diese allerdings geheim gehalten. Pressesprecher Florian Spichalsky begründete das mit dem Schutz der Speaker (auch Table berichtete darüber).
Auch das ausgebliebene, sonst übliche Verkehrschaos bei der Anreise der Gipfelteilnehmer deutet auf eine geringere Teilnehmerzahl hin. Kaum Parkplatzsuche in Gmund, die Sponsorenstände auf Gut Kaltenbrunn deutlich lichter besetzt als in der jüngeren Vergangenheit. Vielleicht haben sich die Sponsoren von der negativen Berichterstattung über den Gipfel und BKM Weimer abschrecken lassen?
Nicht abschrecken lassen hat sich Theo Waigel – früherer Bundesfinanzminister und Ehrenvorsitzender der CSU. Der durfte sich über den „Friedenspreis der Medien“ für sein Lebenswerk und sein Mitwirken an der deutschen Wiedervereinigung und der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung Euro freuen.