Der Streit um den Weg von der Bayralm zur Erzherzog-Johann-Klause

Wer zur Bayralm will, muss fit sein. Zumindest wer den Forstweg von Kreuth zu Fuß oder mit einem Rad ohne E-UnterstÃŒtzung durch den Wald und die Langenau hinaufstrampelt.

Von: Julia JÀckel | Veröffentlicht am 22. September 2026

Etwa zehn Kilometer sind es insgesamt und an die 300 Höhenmeter bis zur Bayralm oder auch Boareibl-Alm. Sie liegt auf 1051 Metern. Sportliche Radlerinnen erklimmen die Strecke in vierzig Minuten, GemÌtliche brauchen entsprechend lÀnger.

Im Sommer kauen hier etwa ein Dutzend Koimerer – Jungrinder. Nachts werden sie in der Bayralm untergebracht, tagsÃŒber verschönern sie die umliegenden Wiesen.

Der Viehtrog vor der kleinen HolzhÃŒtte ist der KÃŒhlschrank. Hier hat Sennerin Irmi Impler Limo, Apfelschorle und Bier fÃŒr die Radler und Wanderer reingestellt. Bezahlt wird am Fenster. Wenn sie nicht da ist, zahlt man in die Kasse des Vertrauens.

Erst am Ende der Almwiese beginnt der Streit. Nach Tirol sind es von hier nur noch ein paar Fahrminuten mit dem Radl. Genau diesen Weg hat die Gemeinde Kreuth saniert. „Das ist ein Weg, der seit ÃŒber 100 Jahren besteht 
 Es ist kein neuer Weg gebaut worden,“ sagt Kreuths Rathauschef Josef Bierschneider (CSU). Der Naturschutzverein Wildes Bayern e. V. sieht darin keine Sanierung, sondern einen Eingriff, der so nicht hÀtte stattfinden dÃŒrfen. Die Vorsitzende Christine v. Miller, Wildbiologin, hat die Arbeiten auf 54 Seiten dokumentiert und will Anzeige erstatten.

Ein Meter, dann drei

Bis vor etwa einem Jahr mÃŒndete der Forstweg, der in leichter Neigung am Rand der Almwiese hinunter zum Bayrbach fÃŒhrt und dabei immer weniger Schotter und immer mehr zu einem festen sandigen Untergrund wird, gleich nach dem Kuhgatter in einen schmalen Pfad.

FÃŒr die einen ein Wanderweg, den sie schon als Kind kannten. FÃŒr einige E-Bike-Fahrer anscheinend eine schwere Strecke, vor allem wenn sie von Tirol nach Kreuth unterwegs sind und das erste StÃŒck nach oben schieben.

FÃŒr die Gemeinde Kreuth eine rein praktische Angelegenheit. Es gab zu viele Beschwerden. Vor allem wegen der letzten Metern.

Etwas mehr als einen Meter breit war dieser Pfad, stellenweise breiter. Auf der einen Seite schmiegte er sich an den Berg, auf der anderen gurgelte der Bach. Jetzt ist der Weg – zÀhlt man die Rinnen links und rechts dazu – an die drei bis vier Meter breit.

„Es sind immer wieder Beschwerden bei uns aufgeschlagen, von Einheimischen und von Betreibern von ÜbernachtungshÀusern, deren GÀste gesagt haben, dass der Weg so schlecht sei. Dieses kurze SteilstÃŒck von der Landesgrenze bis hinauf zur Bayeralm war fÃŒr viele E-Biker eine Riesenherausforderung,“ verteidigt Bierschneider die Entscheidung.

Wurde der Kies aus dem Berg genommen?

Jetzt ist der Berg ein StÃŒck eingedrÃŒckt. Eine Schneise und eine Art Kiesgrube sind entstanden. Ob aus dem Berg der Kies fÃŒr den Weg stammt?

Lasse Weicht, Leiter des Forstbetriebs Schliersee der Bayerischen Staatsforsten, kann das nicht bestÀtigen. Er stellt aber klar, der Weg sei „rein fÃŒr den Tourismus interessant“ und von der Breite keiner, „wo ein Holz-Lkw von uns fahren kann, das ist ja kein Forstweg“.

Bierschneider begrÃŒndet die Breite anders: „Bisher war das Problem: Wenn das SteilstÃŒck ausgeschwemmt war, sind wir mit unseren Schmalspurfahrzeugen vom Bauhof gar nicht hingekommen. Dann hÀtten wir jemanden zu Fuß losschicken mÃŒssen, der eine halbe, dreiviertel Stunde hinuntergeht und mit der Schaufel etwas repariert. Jetzt kommt man mit Fahrzeugen, GerÀtschaften und Material hin und kann den Weg schnell wieder herrichten.“ Etwa alle sechs bis acht Meter sind Ablaufkanten eingelassen, die als harte Kanten aus dem Weg herausstechen.

Die 67-jÀhrige Lore Mair fÀhrt die Runde seit Jahren mit ihrem Mann. Sie ist Triathletin und Mitglied der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal, jenes Vereins, der die Bauarbeiten zuerst öffentlich gemacht hat. Das SteilstÃŒck hat sie immer geschoben, vorher wie nachher. GeÀndert hat sich fÃŒr sie etwas anderes: „Mir kam es rutschiger vor als vorher, wo hier und dort Steine im alten Weg eingebaut waren, die Halt geboten haben. Fahren konnte man es nicht, aber schieben konnte man es besser.“

Einmal ist sie beim Hinunterschieben weggerutscht. Über die neuen Ablaufkanten sagt sie, sie sei sehr vorsichtig darÃŒbergefahren und habe ein unsicheres GefÃŒhl gehabt. An diesem Tag ist ein ganzes TeilstÃŒck weggespÃŒlt. In den Tagen davor hatte es immer wieder stark geregnet, wenn auch kurz. Mittlerweile sei der Abschnitt wieder repariert, versichert der Rathauschef.

„Wir leben davon, dass wir Wege haben, die eben nicht alle industriell ausgebaut sind. Das ist ein Schatz, den wir haben“, sagt Miller.

Wer hat das genehmigt?

Bierschneider schreibt, es habe vor Beginn „eine Besichtigung mit einem Vertreter der Naturschutzbehörde beim Landratsamt“ gegeben. Der Forstbetrieb Schliersee bestÀtigt einen Ortstermin – nach Weichts Darstellung waren die Gemeinde, Naturschutz und der örtlichen Revierförster eingebunden.

Er stellt zugleich klar, dass sein Haus dabei nichts zu genehmigen hatte: Die Staatsforsten seien keine Behörde, sie könnten nur ihr EinverstÀndnis als GrundeigentÃŒmer geben. Alles Weitere – Naturschutzrecht, Baurecht – mÃŒsse der MaßnahmentrÀger klÀren. Also die Gemeinde.

Wildes Bayern fragte im Juli beim Landratsamt Miesbach nach den Unterlagen. Die Antwort, so Miller: Es lÀgen dort keine Akten zu dem Vorgang vor. Die E-Mail dazu liegt uns vor.

Inzwischen ist mehr passiert. Eine Sprecherin des Landratsamts Miesbach bestÀtigt, dass „ein Ortstermin mit einem Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) stattfand“. Die Maßnahme sei als „der Verkehrssicherheit dienender Wegeunterhalt“ eingestuft worden. DafÃŒr braucht es keine Genehmigung durch die UNB.

Millers VorwÃŒrfe richten sich genau gegen diese Einstufung: Der Weg liegt im FFH- und Vogelschutzgebiet, Bach und Begleitflora sind als Biotop kartiert, und gearbeitet wurde im FrÃŒhjahr – in der Balz-, Brut- und Laichzeit.

Durch ist die Sache damit nicht. Die Pressestelle des Landratsamts schreibt: „Die Bewertung des konkreten Falls ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Das weitere Vorgehen wird gegenwÀrtig mit den jeweils zustÀndigen Behörden und Stellen abgestimmt.“ 

Ein Anwalt von Wildes Bayern hat die Genehmigungsbescheide förmlich angefordert, die Frist lÀuft nÀchste Woche ab. Kommen keine Bescheide, will der Verein Anzeige erstatten.

Schieben bleibt Schieben

Die schwierige Stelle soll man nach wie vor nicht befahren. In der neu angelegten Kurve macht – so wie vorher – ein Schild darauf aufmerksam, dass man hier besser absteigt.

Bierschneider sieht darin keinen Widerspruch: „Es ist nach wie vor nicht gedacht, dass man da mit dem Rad hinunterfÀhrt, sondern dass man es schiebt – und hinauf sowieso.“

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