Drei Fragen an Anya von Tegernseekitchen und warum „in-Your-Face“ nicht ihre Art ist

Vom Startup zur eigenen Marke: Anya ist eine der erfolgreichsten Influencerinnen im Tegernseer Tal. nya kommt aus einer klassischen Karriere: Ingenieurstudium, BWL, Stationen bei Aldi, später in der Startup-Szene bei Rocket Internet und im Umfeld von Investoren wie Frank Thelen. Sie leitete ein Startup als Geschäftsführerin, erlebte Verkauf, Insolvenz, Übernahme – und die Belastung, die damit einhergeht. Und fand dann den Mut zu gründen.

Wir haben mit ihr über den langen Weg zu Tegernsee Kitchen gesprochen – und warum sie sich bewusst gegen das „Spiel“ der sozialen Medien stellt und der Weg dahin war kein geradliniger.

Von: Redaktion| Veröffentlicht am 05. Mai 2026

Anya, Tegernsee Kitchen wirkt heute wie eine etablierte Marke. Wie hat das eigentlich angefangen?

Wenn man zurückgeht, muss man sich bewusst machen, wie anders die Ausgangslage war. Ich habe den Account 2017 angefangen, 2018 so ein bisschen bespielt. 2019 war dann klar: Eigentlich möchte ich damit etwas aufbauen. Und 2020 habe ich mich selbstständig gemacht.

Aber damals war Instagram noch ein Bild und ein Text. Mehr nicht. Ich habe am Anfang nicht mal meine Rezepte dazu geschrieben – und es hat trotzdem funktioniert.

Der Einstieg hatte allerdings wenig mit einem Businessplan zu tun. Ich komme aus dem Startup-Bereich, habe lange in sehr intensiven Strukturen gearbeitet und mich irgendwann selbst daran aufgerieben. Nach einer Phase, in der ich gesundheitlich an meine Grenzen gekommen bin, habe ich angefangen zu kochen – erst für mich. Und dann habe ich gedacht: Stell es doch mal online und schau, was passiert.

War für Dich von Anfang an klar, dass daraus ein eigenes Unternehmen entstehen soll?

Der Wunsch, etwas Eigenes zu machen, war schon lange da. Aber ich hatte nie den Mut, wirklich zu gründen. Erst mit ein bisschen Abstand zu dieser klassischen Karriere und auch durch persönliche Umbrüche kam dieser Punkt, an dem ich gesagt habe: Jetzt probierst du es. Ich habe alles allein aufgebaut und mache bis heute alles selbst.

Das war erstmal gut, weil ich mich auf mich konzentrieren konnte. Ich habe vorher viel geführt, viel organisiert, viel gesteuert – und plötzlich ging es darum, etwas Eigenes zu entwickeln. Ich dachte lange, ich bin gar nicht kreativ. Heute würde ich sagen: Kreativität entsteht, wenn man sich den Raum dafür nimmt.

Dein Kanal wächst, gleichzeitig kritisierst Du die Mechaniken von Social Media. Wie gehst Du damit um?

Ich stehe dem sehr zwiespältig gegenüber. Social Media hat viel Positives – Inspiration, Austausch, Kreativität. Aber es gibt auch Dynamiken, die ich schwierig finde. Dieses permanente „in your face“, dieses Drängen nach Aufmerksamkeit – das ist nicht meine Art. Und ich glaube auch nicht, dass es uns guttut.

Gleichzeitig ist es der Kanal, über den mein Geschäft läuft. Ich bin Teil dieses Systems, aber ich versuche, mich nicht komplett davon bestimmen zu lassen. Ich konzentriere mich stärker auf den kreativen Prozess: Inhalte so zu gestalten, dass sie inspirieren und eine eigene Qualität haben.

Wenn ich mit Partnern arbeite, versuche ich, aus dieser reinen Werbeschleife rauszugehen und eine Geschichte zu erzählen. Dass etwas hängen bleibt – nicht nur die Botschaft.

Langfristig geht es mir darum, Tegernsee Kitchen weiterzuentwickeln. Vielleicht auch als Ort. Einen Raum zu schaffen, in dem Essen wieder mehr Bedeutung bekommt – nicht belehrend, sondern als etwas, das Spaß macht und verbindet.

Danke für das Gespräch!

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