Vom Hörspiel zur Buchhandlung: Warum eine ehemalige Programmchefin aus dem Radio heute in Rottach Bücher verkauft ­– Drei Fragen an Barbara Schäfer

Viele Jahre hat Barbara Schäfer Literatur produziert, kuratiert und mitgeprägt – als Dramaturgin, Abteilungsleiterin u.a. war sie Chefdramaturgin Hörspiel und später Leiterin des Nachtstudios beim Bayerischen Rundfunk. 15 Jahre lang war sie Abteilungsleiterin für Hörspiel und Feature/Doku beim Deutschlandradio.  Und jetzt? Jetzt steht Barbara in einer Buchhandlung am Tegernsee und kuratiert Lesestoff fürs Tal. Ein Gespräch über die Liebe zu Büchern und ihre neue Aufgabe …

Von: Redaktion| Veröffentlicht am 03. April 2026

Barbaras neues Reich. Foto: Julia Jäckel

Warum hast Du eine Buchhandlung eröffnet?

Barbara Schäfer: Das war tatsächlich ein Prozess über mehrere Jahre. Ich habe sehr eng getaktet gearbeitet, bin ständig gependelt, viel Bahn gefahren – und in diesen Zeiten entstehen ja oft so mentale Fluchtbewegungen. Ich habe mich immer wieder gefragt: Wenn ich diesen Job einmal nicht mehr mache, was würde ich wirklich vermissen? Und das waren ganz klar die Bücher – der Kontakt zu Verlagen, zu Autorinnen und Autoren, dieser ganze Kosmos.

Und dann kam irgendwann der Gedanke: Buchhandlung. Erst war das eher eine Idee, fast eine Spinnerei. Aber als sich hier in Rottach die Möglichkeit ergeben hat, wurde daraus etwas Reales. Ich habe mir das dann sehr genau angeschaut, viele Buchhandlungen besucht, beobachtet, gelernt – und so ist Schritt für Schritt dieses Konzept entstanden.

Was reizt Dich daran, heute so lokal zu arbeiten – nach diesem überregionalen und erfolgreichen Berufsleben?

Barbara Schäfer: Ich kenne das Ländliche schon lange, das ist für mich kein Bruch. Aber man muss hier wirklich ankommen. Du kannst nicht einfach sagen, ich mache jetzt etwas am Tegernsee – das funktioniert nicht. Man muss Teil davon werden, zeigen, dass man sich für den Ort interessiert und nicht nur sein eigenes Ding durchzieht.

Und ein Laden hilft dabei enorm. Innerhalb kurzer Zeit kommt man ins Gespräch, lernt Menschen kennen – und hier gibt es viele, die sich für Literatur interessieren, auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Dieses Lokale ist gar nicht klein, sondern sehr lebendig, wenn man sich darauf einlässt.

Hat sich Dein Blick auf Bücher verändert, seitdem Du sie verkaufst statt besprichst oder produzierst?

Barbara Schäfer: Ja, sehr sogar. Ich komme ja aus einer eher essayistisch-philosophischen Ecke, habe mich viel mit komplexeren Themen beschäftigt. Das kann ich hier so nicht eins zu eins fortsetzen – dafür gibt es schlicht nicht genug Publikum

Man muss sich stärker am Alltag orientieren: Kinderbücher, klassische Unterhaltung, Dinge, die Menschen hier wirklich lesen wollen. Gleichzeitig gibt es aber immer wieder überraschende Momente – Leute, die ganz gezielt anspruchsvolle Titel suchen. Das freut mich dann besonders.

Insgesamt habe ich mich ein Stück weit verschoben, aber ohne das Eigentliche zu verlieren. Bücher bleiben Bücher – nur der Kontext ist ein anderer.

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