Drei Fragen an Florian Gradl

Er organisiert den Faschingszug – und arbeitet hauptberuflich als Bestatter. Ein Gespräch über Tod, Gelassenheit, Seitenhiebe auf Rädern und warum Fasching im Tal mehr Gemeinschaft ist als Klamauk.

Von: Redaktion | Veröffentlicht am 06. Februar 2026 im Newsletter

In der Werkstatt. Vorne im Schuppen werden die Wagen gebaut. Foto: Julia Jäckel

Du veranstaltest mit den Seegeistern den Faschingszug – und arbeitest hauptberuflich als Bestatter. Wie passt das zusammen?

Ich war zwölf Jahre in der Gastronomie tätig. In den Egerner Höfen habe ich als Hotelfachmann gearbeitet und später die Logistik übernommen. Parallel dazu habe ich bereits als Sargträger gearbeitet – so bin ich nach und nach in diesen Beruf hineingerutscht.

Das Thema Tod schiebt jeder von sich weg, aber gleichzeitig beschäftigt es doch jeden.

Ich habe dann gesagt, dass es mich interessieren würde, wie eine Abholung abläuft – also das Waschen und Herrichten. Dann habe ich gemerkt: Das tut mir nichts. Im Gegenteil. Es hat mich ruhig gemacht.

Beim Faschingszug geht es ja auch um Überraschungen und Seitenhiebe. Wie viel wisst ihr schon im Vorfeld?

Wir wissen schon, wer baut und wo gebaut wird – aber wir wissen meistens nicht, was gebaut wird. Und das ist auch so gewollt. Wir lassen uns da immer überraschen. Klar, es wird sicher Seitenhiebe geben. Stau wird bestimmt ein Thema, da kommt gewiss irgendeine Fußgruppe auf eine Idee. Wir selbst bauen unsere Wagen immer themenbezogen. Mit unserem eigenen verarschen wir heuer niemanden, wir machen einfach unser Ding.

Gibt es eine Faschings-Community im Tegernseer Tal?

Ja, schon. Die Leute, die Faschingswagen bauen, sind oft die gleichen. Man braucht Zugmaschinen, man braucht Hänger – das muss alles irgendwie greifbar sein. Wir leihen uns die Sachen meist aus, zum Beispiel von einem befreundeten Zimmerer, der uns das zur Verfügung stellt. Dann brauchst du auch drei Fahrer für drei Wagen, das muss alles unter einen Hut gebracht werden.
Und wir freuen uns, wenn wir zu den Dägernsäern (Tegernseern) kommen, genauso wie die Greiter (Kreuther) zu uns kommen. 

Danke für deine Zeit!