Drei Fragen an Johannes Rabl – „und dann heißt es, das ist ein Schickimicki-Laden“
Tief hinten im Tal, wo zufällig keiner vorbeikommt, bewirtschaftet Johannes Rabl das denkmalgeschützte Forsthaus Valepp. Das Haus ist von 1841 – gemeinsam saniert hat er es zusammen mit seinem Geschäftspartner Manuel Neuer. Jetzt starten die beiden in ihre dritte Saison. Ein Gespräch über einen Bus, der 400 Meter zu früh hält, ein Reh, das viermal durchs Tal gefahren wird – und einen Verein, über den Rabl hier zum ersten Mal öffentlich spricht.
Von: Redaktion| Veröffentlicht am 11. Juni 2026

Herr Rabl, Ihr Verkehrskonzept setzt auf Gäste ohne Auto. Wie kommt man denn ohne hierher?
Der Bus ist eine halbe Portion. Wir haben ja zwei Seiten: Die Tegernseer Seite ist nach wie vor brach, da geht nichts – auch wenn wir motiviert sind und Initiativen ergreifen. Da lässt man uns sprichwörtlich im Regen stehen.
Und von der Spitzingsee-Seite fährt ein Bus, Samstag, Sonntag, Feiertag, von 11 bis 17 Uhr einmal die Stunde – allerdings nur bis zur Johannesbrücke.
Keiner kann mir erklären, warum er bis davor fährt, aber nicht bis hierher. Früher ist er bis vors Haus gefahren. Jetzt regnet es, und die Leute müssen 400 Meter im Regen zur Bushaltestelle gehen. Dabei halten wir uns an das, was wir versprochen haben: Unsere Hauptzielgruppe sind die Radlfahrer – nicht die Porsche-Fahrer, die Oldtimer-Fahrer und die Motorradfahrer.
Die können auch kommen. Aber an einem normalen Tag sind das bei uns 60 Prozent Radlfahrer, 20 Prozent Wanderer, 20 Prozent Autofahrer. Der Radlparkplatz ist voll, der Autoparkplatz nicht. Die zweite Zielgruppe wären die Leute, die nicht mehr so gut zu Fuß sind und mit dem Bus fahren wollen – aber die werden außen vor gelassen, indem man sie mitten in der Natur aussetzt.
Zur Eröffnung gab es bundesweit Schlagzeilen über Ihre Preise. Wie blicken Sie heute darauf?
Im Nachhinein muss man sagen: Die ganzen Presseartikel über die Preisgestaltung haben dafür gesorgt, dass ganz Deutschland dieses Wirtshaus kennt. Wir haben jetzt das dritte Jahr in Folge unsere Preise nicht verändert. Wenn man den Vergleich zu den Hütten am Wallberg oder oben am Spitzing wagt, sind wir ganz, ganz weit hinten: Das Helle kostet bei uns 4,90 Euro, im Wallberghaus 5,70 – und da mault keiner.
Wir sind nicht billiger und nicht teurer als die anderen, wir sind eine ganz normale Wirtschaft. Aber das muss in die Köpfe rein. Wenn ein Brotzeitbrett 15 Euro kostet, dann ist das kein Schickimicki, sondern gute Qualität.
Der Jäger ruft an, dass er ein Reh erlegt hat – dann hole ich es ab, beim Nächsten wird es aus der Decke gezogen, in unserer Küche zerwirken wir es: Der Rücken wird im Leeberghof verkauft, die Keule kommt ins Rehragout vom Forsthaus, und die Abschnitte fahre ich zum Metzger nach Fischbachau, der macht eine Salami daraus.
Wenn sie geräuchert ist, hängt sie hier noch zwei Wochen an der Luft. Und dann kostet die Salami 20 Cent mehr als woanders – und dann heißt es, das ist ein Schickimicki-Laden. Den Leuten zu verstehen zu geben, dass wir wirklich gute Sachen machen, das dauert einfach. Aber ich gebe nicht auf. Ich habe meinen Frieden gefunden mit diesem Haus.
Was kommt als Nächstes?
Ich bin dabei, einen gemeinnützigen Verein zum Erhalt der Natur und Geschichte in der Valepp zu gründen. Da können alle Leute beitreten, die finden, dass das hier hinten erhalten werden sollte. Mit der Gastronomie hat das nichts zu tun, da geht nichts in unsere Umsätze – deswegen wird es ein gemeinnütziger Verein. Damit wird die Kapelle instand gehalten, damit wird die Natur geschützt, und damit wird die Geschichte aufgearbeitet und vielleicht über Schautafeln kommuniziert: das Maibaumaufstellen, die Bergkirchweih – drinnen hängen Fotos von 1890, wo die schon gefeiert haben.
Auch das dunkle Kapitel des Hauses, das KZ-Außenlager gehört dazu – behutsam. Ich stelle mal die Gegenfrage: Welcher Platz in diesem Landkreis hatte kein dunkles Kapitel? Ich möchte nicht sagen, das war hier Schandfleck XY und sonst gab es nichts – es ist ein Kapitel in einem großen Buch.
Das Gespräch wurde für diese Fassung gekürzt und sprachlich leicht geglättet.
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