Drei Fragen an Martin Jacobi
Martin Jacobi ist die Ein-Mann-Liste für den Kreistag – warum tut er sich das an? Er sagt, es gehe nicht gegen die Parteien, sondern um Sichtbarkeit und ein eigenes Projekt. Sein Schwerpunkt: Kinder und Jugendliche im Landkreis – nicht mit großen Versprechen, sondern mit niedrigschwelligen Angeboten, „auf Augenhöhe“ und bewusst auch jenseits der digitalen Welt. Was treibt ihn an – und wie realistisch ist sein Weg in den Jugendhilfeausschuss?
Von: Redaktion | Veröffentlicht am 2. März 2026

Du kandidierst parteiunabhängig mit eigener Liste. Sagt das etwas über den Zustand der Kommunalpolitik – oder mehr über dich?
Das sagt tatsächlich mehr über mich aus. Wir haben eine vielfältige Parteienlandschaft, die grundsätzlich ausreichen würde. Aber ich habe relativ spontan entschieden, diesen Schritt zu gehen. Als Quereinsteiger hätte ich auf einer Parteiliste vermutlich einen hinteren Platz bekommen – mit wenig Sichtbarkeit und wenig Einfluss.
Ich wollte daraus ein eigenes Projekt machen. Mit einer eigenen Wählergruppe erschien mir der Weg aussichtsreicher. Das war formell anspruchsvoll – Unterschriften sammeln, Auflagen erfüllen –, aber es war mein bewusster Entschluss.
Du willst dich besonders für Kinder und Jugendliche einsetzen. Was fehlt im Landkreis – gerade im Tegernseer Tal?
Es gibt bereits viele Angebote, auch vom Landkreis. Das will ich gar nicht schlechtreden. Mir geht es darum, bestehende Strukturen zu unterstützen und als zusätzlicher Ansprechpartner zu wirken – als jemand, der Jugendlichen auf Augenhöhe begegnet und sich als Sprachrohr versteht.
Gerade im Tegernseer Tal gibt es Bedarf bei Jugendlichen, die nicht über Vereine oder feste Strukturen eingebunden sind. Ziel ist für mich der Jugendhilfeausschuss. Mir ist klar, dass das politisch ein steiniger Weg ist – gerade als Fraktionsloser.
Du sprichst sprechen von „Augenhöhe“ und davon, Jugendlichen etwas jenseits der digitalen Welt anzubieten. Wie kann das konkret aussehen?
Digitale Medien sind wichtig – aber es braucht auch analoge Räume. Wenn man Jugendlichen auf Augenhöhe begegnet und etwas anbietet, das Spaß macht und Interaktion schafft, funktioniert das erstaunlich gut.
Das kann ganz niedrigschwellig sein: Völkerball in der Turnhalle, spontane Aktionen im Ganztag, Stand-up-Paddeln am See, kleine Projekte in den Bergen. Wichtig ist, flexibel zu reagieren: jeden Tag neu schauen, worauf die Jugendlichen Lust haben.