Drei Fragen an
Florian Zibert ist Mitgründer des Hotels Blyb am Tegernsee. Zudem ist er Organizer und Kurator von TEDxMünchen und in der Beratung und Evententwicklung aktiv. Seit Januar 2025 ist er zudem erster Vorsitzender des Beirats der Tegernseer Tal Tourismus GmbH. Wir haben mit ihm über die touristische Entwicklung am Tegernsee gesprochen.
Von: Redaktion| Veröffentlicht am 16. Juli 2026

Beim Tourismustag hieß es, ewiges Wachstum könne nicht das Ziel sein. Wie schaust du auf die touristische Zukunft des Tals?
Wir definieren Wachstum als Gesellschaft ja traditionell über wirtschaftliches Wachstum – und wenn man das auf den Tourismus runterbricht, ist das damit verbunden, dass es mehr Leute sein müssen, mehr Übernachtungen.
Ich verstehe, woher das kommt, und man kann diese Zahl, glaube ich, als Indikator auch gar nicht wegdenken. Vor allem, wenn man es reverse denkt: Wenn die Zahlen jetzt irgendwie einbrechen würden, dann würden wir das merken, und dann würde es auch wehtun.
Ich glaube aber, dass in einem physisch begrenzten Raum, den das Tegernseer Tal ja darstellt, eine gewisse Logik darin besteht, dass es nicht automatisch mehr Flächen, mehr Räume, mehr Häuser sein können.
Also Wachstum ja – aber nicht automatisch quantitativ, sondern ich glaube, wir müssen eher qualitativ werden, über Wertschöpfung. Und das schließt für mich die ganz Kleinen ausdrücklich nicht aus.
Strandbäder knallvoll, Triathlon, Concours – der Druck auf dem Kessel steigt. Wie soll das Tal mit dem Besucheransturm umgehen?
Entgegen der Wahrnehmung vieler, die hier wohnen, ist es ja nicht so, dass der Tegernsee nur denen gehört, die hier wohnen. In meiner Wahrnehmung ist es ein Ort, der irgendwie allen gehört.
Und deswegen müssen wir auch akzeptieren, dass Menschen im Sommer an schönen Tagen herwollen und hier eine gute Zeit haben wollen. Dass die Attraktivität dieser Region „sort of“ auch ihre größte eigene Gefahr ist, das ist ja offensichtlich, das ist auch schon lange so.
Wir hätten dem schon lange begegnen können, wenn wir früher weisere Entscheidungen getroffen hätten – wir haben die Bahn einfach lange nicht ausgebaut, nicht elektrifiziert, ignoriert, und bauen seit ewigen Zeiten die Straße immer weiter aus.
Am Ende ist das eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, der wir nur gemeinschaftlich begegnen können – und dafür bräuchten wir eigentlich eine klare Strategie und eine Vision, wo wir überhaupt hinwollen.
Was wäre denn ein wirklich radikaler Schritt?
Ein radikaler Schritt wäre, den öffentlichen Nahverkehr so krass aufzublasen und so attraktiv zu machen, dass er einfach cooler ist als das Auto. Oder die individuelle Mobilität rund um den See – bei den Emissionen, und da meine ich jetzt gar nicht nur Abgase, sondern auch Lärm – so nach unten zu fahren, dass es irgendwie erträglicher wird.
Zum Beispiel radikal Tempo 30 rund um den See. Und ja, es gibt immer das Argument, das sei eine Staatsstraße, da habe man keinen Einfluss – das ist erst mal rechtlich nicht so. Wenn sich das Tal einig wäre, wenn die Bürgermeister sich einig wären, dann hätten wir auch eine Chance, das zu verändern.
Aber die Basis dafür ist, dass wir besser miteinander kommunizieren und mehr an einem Strang ziehen.
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