„Mehr als ein Steak am Tag“ – Uns Uwe in Dürnbach
Ein Hamburger mit fränkischen Wurzeln lädt ins Jennerwein, stellt statt Geschenken zwei Spendenboxen auf und trennt sich von seiner Kunst. Warum, erklärt er mit einem Satz über beheizte Keller.
Von: Redaktion | Veröffentlicht am 25. September 2026

Wer in Hamburg einen Taxifahrer über 60 fragt, wer die größten Söhne der Stadt sind, bekommt laut Leo immer dieselbe Antwort: zuerst Uwe Seeler, dann Helmut Schmidt.
„Das muss man sich reinziehen“, sagt Andreas Forkel, den alle nur Leo nennen, weil er früher eine wilde Löwenmähne trug. Als Drittes komme dann Udo Lindenberg, und das versteht Leo nicht ganz: „Weil es kein Hamburger ist.“
Das Plattencover hat er trotzdem gerahmt, es steht an diesem Abend auf der Fensterbank im Gasthaus Jennerwein in Dürnbach. Leo hat seine Gäste einzeln angerufen, Einladungskarten gab es keine. Mitbringen sollte niemand etwas. Ein privates Event sei es gewesen, sagt er, mit zwei Themen im Mittelpunkt: der Uwe-Seeler-Stiftung und der Kunst.
Nach dem Verkauf seiner Firma habe er ohnehin alles, sagt er. Stattdessen standen zwei Spendenboxen für die Uwe-Seeler-Stiftung im Raum. Leo engagiert sich seit zehn Jahren für die Stiftung.
Wie es dazu kam? Als er fünf war, wohnte er mit seinen Eltern in einer Mietshaussiedlung. Die Teppichstangen im Hof waren die Tore, und wer von den Lausbuben Uwe Seeler sein durfte, war die wichtigste Frage des Tages. Seeler war für ihn mehr als ein Fußballer: Er sei „ganz nah an den Leuten dran“ gewesen, „volksnah“, ohne jede Arroganz. Leo erzählt dazu gern die Geschichte vom Angebot aus Mailand, das Seeler in den Sechzigern ausschlug, obwohl es um mehr als eine Million ging. Auf die Frage der Reporter soll er geantwortet haben: „Mehr wie ein Steak am Tag kann ich nicht essen.“
Im Jennerwein hängt an diesem Abend, was Leo seit 1985 gesammelt hat: signierte Originalplakate von Joseph Beuys, ein Porträt von Romy Schneider, Fotografien der Kennedys. Vieles davon will er verkaufen. Nach dem Verkauf seiner Spedition fehlten ihm als Privatier schlicht die „Wandkapazitäten“, sagt er. Vor allem aber will er nicht, dass seine Stücke so enden wie in vielen Museen, wo ein großer Teil der Bestände in gesicherten Räumen „ein(ver)staubt“. Lieber trennt er sich von seinen Herzstücken, „Ihnen zu Ehren und Ihnen zur Freude, sollten sie auch Ihr Herz erreichen und erwärmen“.
Zwischen den Bildern stehen die Bronzen von Sabine König. Die Malerin und Bildhauerin, geboren in Aschaffenburg, lebt in Würzburg. Sie ist die Enkelin des 2005 gestorbenen Bildhauers Hans König, der für seine Mosaike und Glasarbeiten bekannt war. „Der erste Schrei meines Lebens war der Schrei nach dem Pinsel“, sagt sie.
Bronze gießt sie erst seit 2017. Damals kam sie im Lechtal zu dem Tiroler Bildhauer Prof. Mario Gasser, und sie „konnte die Finger nicht mehr von dem Material lassen“.
Aus dem Unterricht wurde eine Freundschaft. 2025 lud Gasser sie zu einer gemeinsamen Ausstellung in seine Galerie in Tirol ein, für sie „der Ritterschlag“. Es folgte eine Auszeichnung in Venedig. Für 2027 planen die beiden eine weitere gemeinsame Ausstellung in Reutte. Sie heißt „Aus einem Guss“, und im Mittelpunkt steht eine Skulptur, die sie zusammen geschaffen haben. Mehr dürfe sie noch nicht verraten.
Für jedes Werk, das an diesem Abend verkauft wurde, gingen 10 Prozent des Erlöses an die Stiftung. Am Ende kamen um die 800 Euro für die Uwe-Seeler-Stiftung zusammen. Die Stiftung wurde von der Hamburger Fußballlegende gegründet und hilft Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind.
Ins Tal kam Leo zum ersten Mal 1986, ein Jahr nachdem er in München angefangen hatte zu arbeiten. Ein Betriebsausflug führte auf den Hirschberg. Oben sah er auf der einen Seite den Tegernsee und auf der anderen Großvenediger und Ötztaler Alpen, „da habe ich mich in das Tal verliebt“. Seitdem kommt er jedes Jahr, und zwar noch aus der Zeit, als der Tegernsee, wie er sagt, „noch Tegernsee war und nicht Lago di Bonzo“.
Spenden
Die Uwe-Seeler-Stiftung hilft in Einzelfällen: eine Brille, Heizöl, der Umbau eines Behindertenfahrzeugs. Jede Spende zählt. Mehr Informationen und das Spendenkonto: Uwe-Seeler-Stiftung.de
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