Tegernsee: Generation Deutschland auf der Neureuth

Eine Organisation, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, wandert auf die Neureuth. Der Wirt will politisch neutral bleiben. Geht das überhaupt?

Redaktion | Veröffentlicht am 28.08.2026

Einsatz am Wochenende. Die Polizei war gut vorbereitet. Foto: Anonym

Tegernsee. Der Berggasthof Neureuth war am Samstag Ziel einer Wanderung der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland. Die Wirtsfamilie war vorher informiert worden – zweimal, schriftlich, von zwei verschiedenen Absendern.

Oben am Berg holten die Teilnehmer eine Deutschlandfahne hervor und machten Fotos. Die Wirtsleute schritten ein und ließen die Fahne wieder einpacken. Ob Regenbogenfahne, Deutschlandfahne oder Grüne: „Wir positionieren uns nicht politisch“, sagt Lorenz Gigl, 32, der den Gasthof mit Vater und Bruder als Familienbetrieb führt.

Über die Generation Deutschland

Die Generation Deutschland ist die im November 2025 gegründete Jugendorganisation der AfD und Nachfolgerin der zum 31. März 2025 aufgelösten Jungen Alternative. Sie fordert „millionenfache Remigration“. Der bayerische Landesverband wird vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz als Teil des Beobachtungsobjekts AfD bearbeitet. In Nordrhein-Westfalen stufte der Verfassungsschutz die dortige „Generation Deutschland“ im März 2026 als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein.

Zwei Mails vor dem Wochenende

Am Freitag erreichte die Wirtsfamilie eine E-Mail der Grünen Jugend Oberland. Die Gruppe plane eine Wanderung am Tegernsee und mache dabei möglicherweise nicht transparent, „um welche politische Gruppierung es sich handelt“, schrieb Sprecherin Elena Geiger. Sie stellte zugleich klar: „Uns ist bewusst, dass ihr als Gastronomiebetrieb selbst entscheidet, welche Gäste ihr bewirtet.“

Am Samstag, dem Tag der Wanderung, appellierte Barbara Sokat von den Omas gegen Rechts aus Holzkirchen: „Sie arbeiten mit Menschen aus anderen Nationen zusammen. Ohne diese Mitarbeiter würde Ihr Betrieb nicht laufen.“ In ihrem Schreiben bezeichnet sie die AfD unter anderem als faschistisch.

„Das macht man nicht“

Reserviert hatte die Gruppe nicht – am Wochenende nimmt die Neureuth keine Reservierungen an. Angekündigt hatte sie jemand aus dem eigenen Gästekreis. „Wir sind nur von einem Stammgast, der bei der Gruppierung dabei ist, informiert worden, dass es sein kann, dass sie zu uns kommen“, sagt Gigl. Weiter gedacht habe man sich nichts dabei: „Wenn sie vorhaben, irgendwas politisch zu machen, dann kommen sie nicht. Das macht man nicht.“

Auf die Frage, ob er heute anders entscheiden würde, antwortet Gigl ausweichend. Er könne ja nicht unterbinden, dass ganz normale Gäste zu ihm kämen.

Was am Berg blieb

Andrea Schack, ehemalige Grüne Gemeinderätin aus Gmund und regelmäßig auf der Neureuth, war ebenfalls oben. Danebenbenommen habe sich niemand, sagt sie – wohl gefühlt habe sie sich trotzdem nicht: „Wenn das eine einmalige Sache ist, kann ich damit leben. Aber wenn das öfter vorkommt, habe ich wirklich ein Problem und werde den Berggasthof Neureuth meiden.“

Geladen hatte der bayerische Landesverband der GD über soziale Medien, Treffpunkt Bahnhof Tegernsee, das Ziel nur vage umschrieben. Oben wurde viel gefilmt – See, Berge, Heimat. Der Kreisverband Oberland der Linken, der vorab das Landratsamt informiert hatte, ordnet das so ein: Rechtsextreme Organisierung könne „auch dort stattfinden, wo Gemeinschaft, Freizeit und vermeintlich unpolitische Aktivitäten zur Vernetzung und zur Normalisierung extremistischer Positionen genutzt werden“.

Am Bahnhof Tegernsee standen an diesem Samstag mindestens sechs Einsatzfahrzeuge der Polizei. Auch Personen, die nicht zur Wanderung gehörten, mussten nach eigenen Angaben Rucksäcke öffnen und Personalien angeben.

Nach Einschätzung des Landratsamt Miesbach handelte es sich bei der Wanderung um keine Versammlung.

Auf der Neureuth bleibt es bei der Regel, die Gigl für alle gelten lässt: „Solange sie sich anständig aufführen und höflich sind, bediene ich sie höflich.“