­Warum wir Geschichten brauchen, um die Welt zu verstehen

Maximilian Ferreira Cress schreibt Thriller über Macht, Korruption und gesellschaftliche Brüche – und erklärt im Interview, warum Geschichten manchmal tiefer gehen als jede Nachricht. Diesen Freitag liest er im WeinGerg aus seinem neuen Buch „Am Ende der Wahrheit“.

Von: Redaktion| Veröffentlicht am 23 April 2026

Früher Journalist, jetzt erfolgreicher Autor: Maximilian Ferreira Cress. Foto: Tom Ziora

Du greifst in deinen Romanen reale politische Konflikte und Machtstrukturen auf. Was kann ein Thriller darüber erzählen, was wir nicht längst aus journalistischen Recherchen wissen?

Ich glaube, dass wir uns bei journalistischen Inhalten oft gar nicht so viel Zeit nehmen und vieles nicht wirklich kontextualisieren. Mir fällt zum Beispiel auf, dass immer wieder neue Fälle von rechtsextremen Chatgruppen bei der Polizei auftauchen – und jedes Mal ist die Empörung groß. Gleichzeitig denkt man: Das gab es doch schon.

In dem Moment, in dem man so etwas in eine Geschichte einbettet, kann man sich anders damit auseinandersetzen.

Was bedeutet das für die einzelne Person, was für uns als Gesellschaft? Ein Buch begleitet einen länger – und dadurch denkt man vielleicht auch länger über solche Fragen nach. Außerdem bin ich als Autor freier und kann mich anders mit diesen Themen beschäftigen.


Dein neues Buch zeichnet ein sehr kritisches Bild von Macht und Demokratie. Besteht da nicht die Gefahr, dass so eine Diagnose eher lähmt, als Handlungsspielräume sichtbar zu machen?

Das ist ja eine grundsätzliche Frage. Viele Bücher greifen reale gesellschaftliche Probleme auf – Rassismus, Machtstrukturen, solche Themen. Ich glaube, die Stärke von Literatur liegt darin, dass sie einen nicht nur in die Verzweiflung führt.

Wichtig ist, dass es zumindest eine Form von Hoffnung gibt oder dass man beim Lesen die Perspektive einer Figur besser versteht. Geschichten helfen uns, andere Menschen und andere Lebensrealitäten zu begreifen. Und genau deshalb lesen wir sie ja – weil sie uns einen Blick auf die Welt geben, den wir so nicht kennen.

Du kommst ursprünglich aus dem Journalismus und dem Filmbereich. Was hat dich beim Schreiben deines ersten Romans überrascht – und was war vielleicht auch schwieriger als gedacht?

Ich wollte eigentlich schon als Teenager schreiben, habe mich aber lange nicht getraut. Erst während Corona habe ich angefangen – zusammen mit Bernd Blaschke, der als Drehbuchdozent ein gutes Gespür für Struktur hat.

Ich habe geschrieben, er hat gegengelesen, und wir haben gemeinsam an der Dramaturgie gearbeitet. Da habe ich gemerkt: Ich kann das – und vor allem macht es mir wahnsinnig viel Spaß.

Am Anfang ist es schon einschüchternd, wenn man nur eine vage Idee hat und die erst füllen muss. Aber sobald klar ist, wo die Geschichte anfängt, wo sie hingeht und wer die Figuren sind, wird es leichter.

Danke für das Gespräch!

Um den Tegernsee bald nur noch einspurig? Aprilscherz sorgt für Kommentare

Um den Tegernsee bald nur noch einspurig? Aprilscherz sorgt für Kommentare

8. April 2026

Um den Tegernsee bald nur noch einspurig? Aprilscherz sorgt für Kommentare Als Aprilscherz gedacht, als Debatte angekommen: Die Vision eines einspurigen Tegernsees hat gezeigt, wie

Drei Fragen an Rebecca Niehues-Paas

Drei Fragen an Rebecca Niehues-Paas

27. März 2026

Drei Fragen an Rebecca Niehues-Paas über Zero-Kunst, Mut – und warum Farbe wichtig ist Zero-Kunst gilt als kühl, reduziert, streng. Die Galeristin Rebecca Niehues-Paas hält