Spaß im Glas oder „geführtes Trinken statt Druckbetankung“

Ein Abend, der Menschen zusammenbringt

Beim monatlichen Weinabend im WeinGerg in Rottach-Egern geht es nicht nur um gute Tropfen, sondern vor allem ums Zusammensitzen. Wir waren dabei – und haben genau hingeschaut, was im Glas und am Tisch passiert.

Plaudern und Gutes genießen. Das ist das Motto von „Spaß im Glas“. Foto: Claudius Rafflenbeul-Schaub

Ein langer Tisch zwischen gut gefüllten Wein-Regalen im hinteren Bereich vom WeinGerg in Rottach-Egern. Einmal im Monat lädt das Team vom WeinGerg zu einem kleinen, bewusst überschaubaren, Weinabend ein. Auch an diesem Freitag sind die 14 Plätze ausgebucht. 

In der Mitte stehen liebevoll vorbereitete Brotzeitbrettl und selbst gebackenes Brot aus dem Bellevue in Bad Wiessee. Bald beginnt das Herumreichen – auch das gehört zum Konzept. Es geht nicht nur um Verkostung, sondern um Begegnung.

„Nach Corona wollten wir die Leute wieder zusammenbringen – mit Genuss als gemeinsamen Nenner“, sagt Weinfachberaterin Nicole Pröscholdt. Wein und Kulinarik sollen Menschen ins Gespräch bringen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären.

Das Konzept funktioniert. Zu Beginn seien viele Gäste noch etwas zurückhaltend, erzählt Pröscholdt. „Aber mit dem ersten Glas Wein kommen die Leute schnell ins Gespräch.“ Der Abend entwickelt sich dann oft fast von selbst – manche Gäste kommen inzwischen regelmäßig.

Der erste „Wein“ an diesem Abend ist übrigens keiner. Stattdessen steht ein überzeugender Saft aus der Steiermark im Glas, golden schimmernd in einer dekorativen Flasche. „Sabotage“ heißt der, auch wenn er sehr freundlich ist.

Eine überraschend gute Alternative – und ein Getränk, mit dem man auch beim Stehempfang Eindruck machen kann. Der Chef vom WeinGerg, Mandi Gerg, ist ein großer Fan von „vergessenen und verrufenen Weinen“, die kommen heute auch ins Glas.

Etwa ein Valpolicella aus Veneto.  Der schmeckt leicht, kann man mögen oder eben nicht. Besser ist der Bordeaux „Diane de Belgrave 2016“, den kann man aber gar nicht am Anfang ausschenken. Schon klar, die Gäste wachsen mit jedem Glas. Am Ende nippen sie verzückt am Rioja „QVIM“ Crianza 2021.

Manko? Das Decken-Licht: Zu viel für sensible Seelen und Wein-Plauderei. Auch die Darreichung von Mousse au Chocolat und einem passenden Dessert-Wein möchte hier noch angeregt sein.

Fazit? Sehr empfehlenswert!

Die Teilnahme kostet 35,- Euro pro Person, der Abend dauert etwa zwei Stunden (6 bis 8 Uhr). Wegen der kleinen Runde ist die Teilnehmerzahl auf 14 Plätze begrenzt. Das nächste Mal „Spaß im Glas“ gibt es am 27. März; einige Plätze sind noch frei. Anmeldungen über die Webseite vom WeinGerg.