Zwischen Frühlingsidylle und Kontrollverlust – ein Tag auf der Osterparty
Ein sonniger Ostersonntag, 2.500 Gäste und eine Party zwischen Seeblick, Luxusmarken und Polizeieinsätzen, die zeigt wie gespalten das Tal ist.
Von Redaktion | Veröffentlicht am 10. April zuerst im Newsletter

Der Herrgott hat es gut mit Christoph Graf von Preysing und seinem Team gemeint. Er lässt die Sonne auf die gut angezogenen Partygäste knallen. Darunter Einheimische, Sponsoren, VIPs und junge Leute aus Austria, Minga und dem Degernsä. Ein paar Mädels haben sich für Spaghetti-Tops und kurze Röcke entschieden.
Im Bistro-Bereich funkelt der Champagner in den Ice-Buckets, im Hintergrund glitzert der Tegernsee.
Christoph von Preysing ist das Aushängeschild des Bistros Mai Liabba: Für die einen der „schüchterne Fischer“, für die anderen der mediale Superlativ „Deutschlands größter Champagnerabnehmer“.
Seit etwas mehr als 10 Jahren feiern sie einmal im Jahr die große Sause am Westufer. Seit dieser Zeit steht die Persona Preysing im Mittelpunkt eines Streits zwischen der „grausigen Lärmbelästigung im Tegernseer Tal“ und den „Party-Poopern“.
Der Mann mit den strammen Wadln und dem unschuldigen Gesicht inszeniert sich als bayerischer Ausnahme-Charakter auf Instagram: Mal bodenständig mit Fisch und da Kurzn. Mal mondän mit Heli im Hintergrund und Champagner in der Hand im Vordergrund.
Insgesamt haben sich um die 2.500 Menschen für die Osterparty angemeldet. Dass sie einen Ticket-Stopp reinhauen mussten, erzählt Preysing im Gespräch, weil sie sich ans Sicherheitskonzept der Gemeinde Bad Wiessee halten – und zwei Tage später auch, dass es in dieser Dimension keine Party mehr geben wird, schon gar nicht am Ostersonntag.
Markenparty und Partnerwahl
Was ist da passiert? Von vorne also.
Die Bistro-Tische sind eingedeckt: Es gibt Fischteller, Artischocken mit Dip und Scampi-Spaghetti-Platten. An die 300 Leute passen an die Bänke in dem kleinen VIP-Bereich. Wer hier speisen will, muss tief in die Tasche greifen. Ab 150 Euro für die Reservierung und einer Verzehrpauschale von etwa 450 Euro ist man dabei.
Für die Brause kann man eben mal 5.000 Euro im VIP-Bereich lassen – oder deutlich mehr.

Wer hier speist, zahlt nicht nur für Fisch und Aussicht. Es ist eine orchestrierte Zusammenkunft, gehalten von internationalen Marken wie Red Bull, Moët Hennessy und Luxusplayern wie etwa den Schweizer Luxusuhren von IWC. Dazu kommen Technikfirmen, Security und Helfer aus dem Rettungswesen wie die Wasserwacht und die Feuerwehr.
Auf der anderen Seite des Bistro-Zauns verteilt sich das Partyvolk über das abfallende Gelände Richtung Tegernsee-Ufer. Gesittet und wohlerzogen genießen sie die prachtvolle Aussicht: Wahlweise auf den Tegernsee, den schneebedeckten Wallberg oder mögliche Traum-Partner.
Sie haben für ihr Ticket zwischen 20 und 27 Euro bezahlt und keinen Mindestverzehr im Übrigen.
Superseegarten und Super-Enttäuschung
Dass sich an diesem Tag alles um diese eine Party dreht, zeigt sich auch ein paar Meter weiter am See. Mitten in Bad Wiessee. Hier wollten die Düwel-Brüder heute auch eine Fete schmeißen.
Den Superseegarten hatten sie sich ausgedacht. Auf der ehemaligen Terrasse des leerstehenden Hotels Seegarten wollten sie den Sommer über eine Pop-up-Beach-Bar anbieten. 700 Karten hätten sie schon verkauft, so Patrick Düwel, der zusammen mit seinem Bruder den Superschmarrn in München leitet.
Eine „YE Spring Opening Party“ sollte es werden. Dahinter steckt eine Münchner Eventmarke, die unter anderem auch Tag-und-Nacht-Partys organisiert.
Doch das Event wurde nicht genehmigt, so Düwel. Die Gemeinde hätte „plötzlich“ abgesagt.
Jetzt sitzen nur ein paar Leute in den Liegestühlen und genießen den Blick auf den Tegernsee. Zwei Foodtrucks warten auf Kundschaft. Der eine hat für 600 Leute eingekauft.
Dann geht es ein Stück den Berg hinauf. Oberhalb von Bad Wiessee kann man die Oster-Location anhand der flackernden Lichter ausmachen. Ab und zu steigt Rauch auf. Der Beat ist zu hören, die Kirchenglocken halten mit. Das Vogelzwitschern auch.
Doch nicht überall ist der Nachmittag unbeschwert. Gegenüber am Ufer von Rottach-Egern trägt das Wasser den Sound bis zum Kinderspielplatz.
Jetzt tritt in Bad Wiessee der Main-Act auf: Dominique Jardin. Für die österreichische DJane und Produzentin werden die Boxen nochmal hochgedreht.
Den Herren im Nadelstreifenanzug gegenüber in Rottach-Egern ärgert das. „Dass am Ostersonntag!“. Er habe von der Open-Air-Party nur zufällig erfahren und versteht gar nicht, wie man sowas genehmigen kann.
„Das ist schon sehr selbstbewusst, den ganzen See zu beschallen“, sagt eine Urlauberin, die seit Jahren an den Tegernsee fährt.
Partybreaker und Torkel-Dancer
Zurück zur Party. Mittlerweile ist es halb acht. Vom achtsamen Tanz in den Frühling ist nichts mehr übrig.
Vor dem Eingangsbereich steht ein Polizeiauto. Zwei Polizisten halten einem jungen Mann die Arme auf dem Rücken. Ein paar Besucher wollen deswegen mit der Polizei streiten. Eine Polizistin mit wippendem Pferdeschwanz winkt ab.
Im Eingangsbereich hockt einer. Den Kopf auf die Arme gestützt. Vor ihm die Lache seiner letzten Mahlzeit. Neben ihm hat sein Freund seinen Kopf auf seine Schultern gebettet.
Es riecht nach Wiesn. Übrig sind vor allem Unter 30-Jährige. Sie wanken zur nächsten Party oder dancen ausgelassen vor der Bühne.
Und das, obgleich der Untergrund von Flaschen unterschiedlichster Größen übersät ist. Die Partypeople stört das nicht weiter. Unbeirrt tanzen sie dicht an dicht. Die meisten Menschen brauchen jetzt etwas mehr Platz, weil sie ihr Körperempfinden und damit ihren Radius nicht mehr hinbekommen.
Die Polizei spricht von sieben Einsätzen an diesem Abend. Vor allem junge Männer waren auffällig. Der Polizeichef aus Bad Wiessee, Thomas Heinrich, betont, dass sie „keine Partybreaker“ sein wollen, „aber es gibt Vorgaben“.
Ende des Abends
Er findet, dass der Ort für eine Party nicht geeignet sei. Das liegt vor allem am Zugangsweg, der gleichzeitig auch der Fluchtweg ist.
Auch dass ein Sicherheitskonzept mittlerweile Normalität ist, betont er. Es ist das erste Mal, dass es ein solches Konzept gibt – und auch das erste Mal, dass Eintritt verlangt wird, um nachvollziehen zu können, wie viele Menschen tatsächlich kommen.
„3.000 waren genehmigt, das wissen wir selbst nicht genau, ob es 2.500 oder 3.000 waren“, sagt Preysing.
Auch die Einsätze von Polizei und Rettungskräften relativiert er: „Wenn es sechs Leute von 3.000 sind, dann ist das ein normaler Standard. Hundertprozentig wird es nie.“
Im Kurgarten ziehen derweil dunkle Wolken Richtung Bühne und der Herrgott macht dem Treiben ein Ende. Er lässt ein ordentliches Gewitter auf die Partygäste krachen.
Halb torkeln sie, halb strömen sie in die nächsten Locations rund um den See: Bussi Baby, Pasquale, Weinbar und Quantum.